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Wechseljahre - Auftakt zu einer neuen Lebensphase

Dipl. biol. Annette Bopp

Wenn der weibliche Körper weniger Hormone produziert, kommt es zu einer Reihe körperlicher und seelischer Veränderungen. Viele leiden dann unter Hitzewallungen, depressiven Verstimmungen oder Schlafstörungen. Am wenigsten Beschwerden haben Frauen, die gut über die Vorgänge in ihrem Körper informiert sind und gelassen mit dem neuen Lebensabschnitt umgehen.

Die Wechseljahre, in Fachkreisen auch Klimakterium genannt, dauern etwa 14 Jahre - sieben vor und sieben nach der letzten Menstruation. Bei der Hälfte aller Frauen beginnen sie mit 44 Jahren. Eingeläutet werden sie mit dem Nachlassen der Hormonproduktion in den Eierstöcken, deren Alterungsprozess bereits mit 30 bis 35 Jahren beginnt. Die Folgen sind zahlreiche Veränderungen auf körperlicher und seelischer Ebene. Die Symptome reichen von trockener Haut und empfindlichen Schleimhäuten über Hitzewallungen, Kopfschmerzen und Gelenkbeschwerden bis hin zu Müdigkeit, Reizbarkeit und Blasenschwäche. Die meisten Erscheinungen sind jedoch vorübergehender Natur, und es gibt viele Möglichkeiten, sie in den Griff zu bekommen.

Männliche Hormone nehmen zu

Bemerkbar machen sich die Wechseljahre zuerst mit unregelmäßigen Menstruationszyklen. Denn der Körper produziert in der zweiten Zyklushälfte weniger Gelbkörperhormon (Progesteron). Später geht dann auch die Östrogenproduktion zurück. Um den sinkenden Östrogenspiegel auszugleichen, bilden die Eierstöcke vermehrt die männlichen Geschlechtshormone Testosteron und Androstendion, die der Stoffwechsel in Östrogene umwandeln kann. Anfangs ist der Hormonrückgang daher kaum zu spüren. Die männlichen Hormone nehmen jedoch allmählich zu. Aus diesem Grund können im Gesicht und am Körper plötzlich einzelne, sehr kräftige Haare wachsen, und auf der Oberlippe sprießt bei einigen ein mehr oder weniger dichter Flaum. Irgendwann stellen die Eierstöcke ihre Hormonproduktion dann weitgehend ein.

Der Übergang in die blutungsfreie Zeit verläuft bei jeder Frau anders. Die Umstellung kann insgesamt wenige Monate oder auch mehrere Jahre dauern. Werden die Blutungen seltener, sind sie oft stärker, dauern länger oder können mit starken Bauchkrämpfen verbunden sein. Die beste Medizin gegen Krämpfe ist feuchte Wärme: Feuchtwarme Umschläge auf dem Bauch oder warme Bäder mit Lavendelextrakt bringen wirksame Erleichterung. Aber auch jede Art von Entspannung ist sinnvoll, sei es autogenes Training oder Yoga. Auch eine Tasse Tee aus Schneeballbaumrinde kann Linderung verschaffen.

Eine heiße Zeit für viele Frauen

Eines der typischsten Symptome in den Wechseljahren sind Hitzewallungen. Betroffene Frauen berichten, dass meist ausgehend von Brust oder Hals ein starkes Wärmegefühl aufsteigt, dem schlagartig aus den Poren tretender Schweiß, erhöhte Herzfrequenz und abschließendes Frösteln folgen. Bis heute ist nicht genau geklärt, wie es zu diesen Hitzewallungen kommt. Als Auslöser werden schwankende Progesteronwerte und der absinkende Östrogenspiegel diskutiert. Zu Beginn einer Wallung schüttet die Nebenniere vermehrt Adrenalin aus, was ein leichtes Unwohlsein zur Folge haben kann. Gleichzeitig erhöht sich die Herzfrequenz. Manche Frauen empfinden dies als heftiges, teilweise beängstigendes Herzklopfen. Kurze Zeit später sinkt der Spiegel an Noradrenalin. Dadurch weiten sich die Blutgefäße, und die Haut wird stärker durchblutet. Die steigende Hauttemperatur versucht der Körper nun mit Hilfe eines Schweißausbruchs zu senken. Die dabei entstehende Verdunstungskälte löst anschließend das typische Frösteln aus.

Um die Hitzewallungen leichter zu überstehen, gibt es ein paar einfache Tricks. Dazu zählt z. B. ausreichende Bewegung. Besonders günstig sind Ausdauersportarten wie Joggen, Wandern, Schwimmen, Radfahren oder Inline-Skaten. Positiv wirken auch Saunabesuche, morgendliche Wechselduschen oder Bürstenmassagen. Alkohol und Kaffee sind dagegen zu vermeiden. Sie begünstigen Hitzewallungen, da sie den Östrogenspiegel senken. Besonders praktisch ist es, sich nach dem Zwiebelprinzip anzuziehen, das heißt ein paar Kleidungsschichten übereinander zu tragen. So kann man je nach Stärke der Hitze Schicht für Schicht ausziehen. Lockere Kleidung aus Naturstoffen ist der aus Kunstfaser vorzuziehen. Naturfasern halten auch noch in feuchtem Zustand warm, und unangenehme Gerüche treten weniger schnell auf.

Es gibt auch pflanzliche Substanzen, die wegen ihrer östrogenähnlichen Wirkung gut gegen Hitzewallungen eingesetzt werden können. Dazu zählen Wanzenkraut, Wolfstrapp oder Gingseng. Hitzewallungen sollten nicht überbewertet werden. Zwar ist es nicht angenehm, auf einmal schweißgebadet in einer Besprechung zu sitzen. Dennoch sollten Frauen sich nicht für ihre Hitzewallungen schämen, sondern sie lieber elegant mit einem Fächer "wegwedeln". In Wallung kommen heißt schließlich auch, lebendig zu sein.

Haut und Schleimhäute werden trocken

Der sinkende Östrogenspiegel hat auch Einfluss auf Haut und Schleimhäute. Die Haut speichert nicht mehr soviel Wasser und erzeugt weniger Kollagen und Elastin. Das sind Eiweißstoffe, die das Stützgerüst der Haut bilden. Elastizität und Spannung nehmen ab. Außerdem verlangsamt sich die Zellteilung, so dass die Haut dünner und empfindlicher wird. Der gleichzeitige Rückgang des Unterhautfettgewebes verstärkt diesen Effekt noch. Da die Haut auch nicht mehr so gut durchblutet wird, wirkt sie leicht fahl und blass. Zusätzliche Strapazen sind trockene Luft, Sonne, Rauchen, Alkohol, Seife, Abmagerungskuren, zu wenig Schlaf und Bewegungsmangel.Der Körper bildet nun auch weniger Tränenflüssigkeit und Speichel. Dadurch sind Augen und Mundschleimhaut oft trockener und entzündungsanfälliger. Die Scheidenhaut und das Innere der Harnröhre können ebenfalls dünner und trockener werden und damit anfälliger für Infektionen.

Viel Flüssigkeit beugt Austrocknung vor

In der täglichen Pflege sollten fettreiche Cremes und Lotionen jetzt nicht fehlen. Bürstenmassagen, frische Luft und Saunabesuche regen zusätzlich die Durchblutung an. Meist unterschätzen Frauen ihren Flüssigkeitsbedarf; auch das führt dazu, dass die Haut leicht austrocknet. Günstig ist es, zwei bis drei Liter täglich zu trinken. Eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr sorgt zudem dafür, dass Niere, Blase und Harnröhre gut gespült werden, so dass sich keine Krankheitskeime ansiedeln können. Damit Haut und Schleimhäute weniger stark austrocknen, empfiehlt es sich außerdem, Wohnung oder Büro häufig zu lüften und Grünpflanzen aufzustellen, die die Raumluft feucht halten. Wer an trockenen Augen leidet, kann sich in der Apotheke spezielle Tropfen besorgen und die Speichelsekretion mit Pfefferminzbonbons oder Kaugummis anregen.

Die nachlassende Elastizität des Bindegewebes hat eine weitere unangenehme Folge: Die Gebärmutter, die durch zahlreiche Bindegewebsstränge im kleinen Becken stabilisiert wird, kann sich senken. Eine tiefer liegende Gebärmutter kann bei schwachen oder untrainierten Beckenbodenmuskeln auf die Blase drücken und so lästiges Harntröpfeln auslösen. Ein gezieltes Beckenbodentraining kann aber innerhalb weniger Wochen helfen (siehe auch UGB-FORUM 2/00, S. 83).

Gestörter Schlaf ist kein Grund zur Unruhe

Wenn eine nächtliche Hitzewallung den Schlaf stört, finden viele Frauen für den Rest der Nacht keine Ruhe mehr. Aber auch ohne Wallung können viele in den Wechseljahren nur schwer einschlafen. Etliche wachen zudem beim kleinsten Geräusch auf, weil sie nicht mehr so tief schlafen wie früher. Auch hier gilt: Je selbstverständlicher man damit umgeht, desto weniger störend ist es. Auf jeden Fall sollten nachts alle Lichtquellen ausgeschaltet sein. Nächtliches Licht kann die Ausschüttung des schlafanregenden Hormons Melatonin im Gehirn stören. Hilfreich kann es auch sein, abends nicht mehr so üppig zu essen, vor dem Schlafengehen noch zu lesen, ein warmes Bad zu nehmen oder einen Abendspaziergang zu machen. Oft helfen auch Musik oder ein Beruhigungstee. Von starken Schlafmitteln sollten Frauen die Finger lassen. Denn diese können schnell abhängig machen. Leichtere Schlafmittel aus pflanzlichen Extrakten wie Baldrian oder Hopfen sind eher einen Versuch wert.

Die Knochen können brüchiger werden

Knochen bestehen aus Kollagen und Mineralien wie Calcium, Magnesium und Phosphat. Unser scheinbar statisches Knochengerüst wird ständig auf- und abgebaut. Neben Parathormon, Vitamin D und Calcitonin sind auch die Östrogene am Knochenstoffwechsel beteiligt. Sie schützen den Knochen unter anderem vor dem Abbau des Kollagens. Stehen Östrogene nicht mehr in ausreichender Menge zur Verfügung, verschiebt sich das sonst bestehende Gleichgewicht in Richtung Knochenabbau - Experten sprechen dann von Osteoporose. Das gesamte Skelett verliert dabei an Festigkeit und Stabilität. Die Knochen werden immer löchriger und können schon beim geringsten Anlass brechen.

Doch nicht jede Frau in den Wechseljahren leidet an Knochenschwund. Werden in der Jugend reichlich Mineralstoffe wie Calcium aufgenommen, wenig oder nicht geraucht und Sport ausgeübt, erfolgt der Abbau insgesamt langsamer. Aber auch wenn die Hormonumstellung bereits eingesetzt hat, lohnt es sich noch, die Knochen mit wichtigen Nährstoffen und körperlicher Bewegung zu stabilisieren. Wie eine knochengesunde Lebensweise aussieht, ist im Kasten zusammengefasst.

So beugen Sie dem Knochenabbau vor:

  • Regelmäßige Bewegung regt den Knochenstoffwechsel an. Empfehlenswert sind Ausdauersportarten wie Wandern, Radfahren, Aerobic, Skilanglauf oder Schwimmen.
  • Calcium stabilisiert den Knochen. Gute Quellen für diesen Knochenbaustein sind Milch, Milchprodukte, calciumreiche Gemüse wie Grünkohl oder Brokkoli sowie calciumhaltiges Mineralwasser mit mindestens 150 mg pro Liter.
  • Vitamin D fördert die Calciumaufnahme. Gut versorgt sind Sie mit vitamin-D-reichen Lebensmitteln wie Seefisch, Eigelb, Pilzen, Kuhmilch oder Fischöl. Zusätzlich födern regelgelmäßige Spaziergänge die körpereigene Produktion des Vitamins.
  • Phosphat hemmt die Calciumaufnahme: Nehmen Sie daher wenig Wurst, Fertiggerichte und Cola-Getränke zu sich.
  • Oxalsäurereiche Lebensmittel wie Spinat, Rhabarber oder Mangold, aber auch Schokolade, Kakao, Kaffee und große Mengen schwarzen Tees vermindern die Calciumaufnahme.
  • Trinken Sie wenig Alkohol und rauchen Sie nicht. Denn Alkohol fördert den Knochenabbau, und Nikotin hemmt die knochenbildenden Zellen.


Verstimmungen als Chance

Wenn Frauen aufgrund der körperlichen und seelischen Umstellung in den Wechseljahren traurig und niedergeschlagen sind, heißt es oft, sie seien depressiv. Doch Depressionen sind eine Krankheit und haben mit den Wechseljahren nichts zu tun. Im Unterschied zu echten Depressionen halten depressive Verstimmungen wesentlich kürzer an und sind weniger stark ausgeprägt. Solche Stimmungsschwankungen können zu allen Zeitpunkten in Lebenskrisen vorkommen und haben weniger mit der hormonellen Umstellung zu tun.

Es gibt zwar Hinweise darauf, dass die Einnahme von Hormonpräparaten die Stimmung in den Wechseljahren verbessern kann. Ob eine künstliche Stimmungsaufhellung sinnvoll ist, bleibt allerdings fraglich. Dass in diesem Lebensabschnitt häufiger negative Gefühle auftreten, ist vermutlich damit zu begründen, dass diffuse Zukunftsängste bestehen. Einige Frauen empfinden auch den Verlust ihrer körperlichen Fruchtbarkeit als sehr schmerzlich. In einer Gesellschaft, in der Älterwerden vor allem für Frauen ein Makel ist, in der Erfahrung und Reife nicht viel gelten, fällt es schwer, diesem Übergang zur zweiten Lebenshälfte positive Seiten abzugewinnen, geschweige denn, sich darauf zu freuen. Doch diese Phase birgt auch die Chance, das bisherige Leben zu überdenken und an seiner Neugestaltung zu arbeiten. Eine Frau kann sich auf viele verschiedene Arten und Weisen als fruchtbar empfinden - im Beruf, in der Partnerschaft, in Freundschaften, in sozialen, kulturellen, politischen oder gesellschaftlichen Bereichen. Die Wechseljahre bieten die Möglichkeit, die eigenen Interessen, brachliegende Fähigkeiten und Leidenschaften neu zu entdecken und freizusetzen.

Das Wichtigste ist eine positive Lebenseinstellung. Wechseljahre sind ein Auftakt und kein Schlussakkord. Sie sind die Möglichkeit, seine eigene Symphonie zu komponieren, mit Höhen und Tiefen, Lachen und Weinen, aber trotzdem mit viel Freude.

Bopp, A.: UGB-Forum 6/00, S.286-289

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