Dr. med. Christian Walter
Schon im ersten Lebensjahr kann ein Säugling allergische Symptome entwickeln. Wer rechtzeitig etwas dagegen unternimmt, kann das Risiko für chronische Allergien verringern.
Allergien zählen zu den Krankheiten im Kindesalter, die immer noch zunehmen. In den ersten zwei Lebensjahren erkrankt etwa jedes sechste Kind an allergischen Symptomen. Häufig entwickelt sich daraus eine chronische Erkrankung, die vielfach eine große psychische und soziale Belastung für die ganze Familie darstellt. Noch ist nicht genau bekannt, warum Allergien bei Kindern heute häufiger auftreten als früher. Es hat sich jedoch gezeigt, daß das Risiko vermindert und die Folgen der Erkrankung gelindert werden können, wenn man rechtzeitig geeignete Maßnahmen ergeift.
1. Genetische Veranlagung
Kinder aus Familien mit atopischen Erkrankungen haben eine erbliche Veranlagung, ebenfalls an einer Allergie zu erkranken. Das Risiko liegt zwischen 20 und 80 Prozent. Je mehr Familienmitglieder betroffen sind, umso höher ist das Risiko und desto früher beginnt die Erkrankung.
2. Der Antikörpertest
Das Immunglobulin E (IgE) ist ein vom Organismus gebildeter Antikörper, der bei bestimmten allergischen Reaktionen eine wichtige Rolle spielt. Er ist bei Menschen mit einer atopischen Erkrankung oder Veranlagung häufig erhöht. Beim Neugeborenen kann er aus dem Nabelschnurblut bestimmt werden. Etwa jedes zehnte Neugeborene hat erhöhte IgE-Werte und damit ein größeres Risiko zu erkranken. Dieser Test wird allerdings nicht routinemäßig durchgeführt. Die Bestimmung des IgE-Spiegels der Schwangeren liefert keine zusätzlichen Erkenntnisse darüber, ob das Kind allergiegefährdet ist.
Doch selbst wenn beide Kriterien auf eine Allergie hinweisen, heißt das nicht unbedingt, daß auch eine Allergie auftritt. Nur jede zweite anhand der Familienanamnese getroffene Vorhersage trifft wirklich zu. Für das IgE liegt diese Wahrscheinlichkeit noch niedriger. Etwas mehr als die Hälfte der Kinder, die in den ersten beiden Lebensjahren erkranken, stammt nicht aus einer Atopikerfamilie. Die Wahrscheinlichkeit einer Falschaussage ist also hoch.Es besteht daher die Möglichkeit, daß viele Säuglinge vorbeugenden Maßnahmen unterzogen werden, obwohl sie gar nicht erkranken. Andere wiederum, die eine Allergie entwickeln, erhalten keinen solchen Schutz. Daher sollten nur solche Schritte unternommen werden, die bei falscher Vorhersage nicht schaden.
Wenn die Beikost erst spät, das heißt ab dem sechsten Lebensmonat, eingeführt wird und nur aus wenigen Nahrungsmitteln besteht, kann hingegen auch das Risiko für Asthma verringert werden. Dadurch wird vermieden, daß das noch relativ unreife kindliche Verdauungssystem zu früh mit Fremdeiweißen belastet wird. Typische allergene Nahrungsmittel wie Fisch, Eier, Nüsse und auch Soja sowie Schokolade und Zitrusfrüchte, letztere vor allem bei bereits bestehender Neurodermitis, sollten Säuglinge mit erhöhtem Risiko im ersten Lebensjahr noch nicht bekommen. Im zweiten Lebenshalbjahr ganz auf Kuhmilch zu verzichten, halten zahlreiche Allergologen nicht für notwendig.
Darüber hinaus können zahlreiche weitere Therapieansätze den Krankheitsverlauf günstig beeinflussen. Ziel muß dabei sein, organische oder psychische Schäden zu vermeiden und den Kindern die Teilnahme an allen altersentsprechenden Aktivitäten zu ermöglichen. Asthmakranke Kinder sollten regelmäßig inhalieren, wenn notwendig auch mit cortisonhaltigen Medikamenten. Dann ist es möglich, die Entzündung in den Atemwegen zu verringern und das Risiko für Asthmaanfälle zu senken. Die medikamentöse Behandlung kann durch eine Klimaveränderung unterstützt werden, z. B. in Form eines Kuraufenthaltes im allergenarmen Hochgebirge. Weitere Bausteine eines ganzheitlichen Konzepts sind die Krankengymnastik mit Atemtherapie und Asthma-sport, Entspannungsübungen wie das Autogene Training, Asthmaschulungen und eine psychologische Betreuung der betroffenen Familien.
Es gibt viele unterschiedliche Ansätze, um Allergien zu lindern oder zu verhindern. Ob sie wirklich wirken, ist nur bei den wenigsten ausreichend erwiesen. Die Risiken für das Kind sollten daher sorgfältig abgewogen werden. Letztendlich sind nur solche Maßnahmen empfehlenswert, die bei falscher Vorhersage nicht schaden. Einen sicheren Schutz vor Allergien gibt es nicht, selbst wenn Eltern alle Vorsorgemaßnahmen einhalten. Wird eine allergische Erkrankung frühzeitig erkannt, läßt sich jedoch einiges tun, um die Lebensqualität der Betroffenen zu erhalten und Folgeschäden zu begrenzen.
LITERATUR
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REINHARDT, D. u. a.: Asthma bronchiale im Kindesalter. 2. Auflage, Springer Verlag, Berlin 1996
WAHN, U.; SEGER, R.; WAHN, V: (Hrsg.): Pädiatrische Allergologie und Immunologie in Klinik und Praxis. G. Fischer Verlag, Stuttgart 1994
Allergien vorbeugen
Folgende vorbeugende Maßnahmen sind bei Kindern mit einem erhöhten Allergierisiko zu empfehlen:
Quelle: Walter, Ch.: UGB-Forum 4/98, S. 193-195
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