Dipl. oec. troph. Manon Lange
Einen Ersatz für Muttermilch zu finden ist nicht einfach. Denn beim Säugling kommt es ganz besonders darauf an, daß alle notwendigen Nährstoffe in der richtigen Menge enthalten sind. Nicht alle angebotenen Alternativen sind geeignet.
Muttermilch ist das Beste für den Säugling. Sie enthält alle notwendigen Nährstoffe, liefert wichtige Immunfaktoren, ist praktisch immer verfügbar und stets richtig temperiert. Sollte Stillen - aus welchen Gründen auch immer - nicht möglich oder gewünscht sein, ist als Ersatz nur industriell hergestellte Säuglingsmilchnahrung uneingeschränkt empfehlenswert. Nach den Richtlinien der Europäischen Union (EU) werden diese Produkte als "Säuglingsanfangsnahrung" bezeichnet. Sie können auf der Basis von Kuhmilch oder Soja hergestellt werden. Falls das Eiweiß ausschließlich aus Kuhmilch stammt, ist jedoch meist "Säuglingsmilchnahrung" auf dem Etikett zu lesen.
Die Säuglingsanfangsnahrungen mit den Bezeichnungen "Pre" oder "1" können Babys während des gesamten ersten Lebensjahres trinken. Sie eignen sich als Muttermilchersatz in den ersten vier bis sechs Monaten und als zusätzliche Milchmahlzeit zur Beikost im zweiten Lebenshalbjahr. Eine andere Säuglingsmilchnahrung ist im gesamten ersten Lebensjahr nicht erforderlich. Dennoch sind im Handel Produkte zu finden, die als Folgenahrung oder Folgemilch bezeichnet und laut Gesetzgeber dem Säugling ab dem fünften Monat zugeführt werden dürfen. Angeblich sollen sie die veränderten Bedürfnisse des älteren Säuglings berücksichtigen. Diese Folgemilchen sind in der Regel mit der Ziffer "2" gekennzeichnet. Sie ähneln in der Zusammensetzung eher einer Vollmilch und haben meist einen höheren Gehalt an Eiweiß, Kohlenhydraten und Mineralstoffen als Muttermilch oder Säuglingsmilchnahrungen. Folgemilchen dürfen außerdem bis zu 20 Prozent der Kohlenhydrate in Form von Haushaltszucker enthalten, worauf allerdings viele Hersteller verzichten. Auch die Bio-Firma Holle bietet im Naturkostgeschäft eine Folgemilch "2" an. Aufgrund der hohen Nährstoffdichte ist es jedoch nicht empfehlenswert, Folgemilch zu geben.
Von anderen selbsthergestellten Säuglingsmilchen, wie Mandelmilch, Zwei-Drittel-Milch oder Frischkornmilch, ist aus ernährungsphysiologischen und hygienischen Gründen abzuraten. Auch Ziegen- und Schafsmilch sind aufgrund ihrer abweichenden Nährstoffgehalte nicht als Muttermilchersatz geeignet. Stutenmilch ist in ihrer Zusammensetzung der Frauenmilch zwar ähnlich und könnte als Ersatznahrung dienen. Aus hygienischen Gründen ist aber auch diese Alternative nicht zu empfehlen, zudem ist sie nur schwer in entsprechenden Mengen zu bekommen.
Hydrolisierte Nahrungen gibt es auch auf Sojabasis. Sie sind bei Säuglingen mit Kuhmilchunverträglichkeit allerdings problematisch. Denn nach einiger Zeit entwickelt rund jeder Vierte Kuhmilchallergiker zusätzlich eine Allergie gegen Soja. Eltern, die dennoch eine Sojamilch füttern möchten, dürfen nur speziell als Säuglingsnahrung deklarierte Produkte verwenden, nicht etwa Sojamilch oder Sojadrink. Für welche Nahrung sich Eltern auch entscheiden, bei der Zubereitung müssen Hygiene, Sorgfalt und Genauigkeit im Vordergrund stehen, um dem Säugling einen guten Start ins Leben zu ermöglichen.
K-TIT Fürs Baby das Beste
Kommt Stillen nicht in Betracht, ist für einen gesunden Säugling nur Säuglingsmilchnahrung mit der Bezeichnung "Pre" uneingeschränkt empfehlenswert. Wenn Sie die sättigendere "1"-Nahrung füttern möchten, achten Sie darauf, daß neben Milchzucker nur Stärke zugesetzt ist. Zur Zeit findet sich nur ein Anbieter auf dem Markt, der die Zutaten aus Öko-Landbau bezieht. Folgemilch, das heißt Säuglingsmilchnahrung mit der Ziffer "2", ist generell überflüssig - ob Bio oder nicht.
Wenn Sie Säuglingsmilch selbst herstellen möchten, ist die Rezeptur nach Droese und Stolley noch am besten geeignet. Achten Sie dabei ganz penibel auf eine hygienische und sorgfältige Zubereitung.
Quelle: Lange, M.: UGB-Forum 2/99, S. 87-88
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