Dr. oec. troph. Ute Brehme
Um Arteriosklerose und Herz-Kreislauferkrankungen vorzubeugen, empfehlen Ernährungswissenschaftler eine vollwertige, mediterrane Kost. Reichlich Gemüse und Obst und Olivenöl statt Butterhalten das Herz gesund.
Auf welche Weise sich die Arterien bei der Arteriosklerose verengen, wissen Mediziner noch nicht genau. Mehrere aktuelle Forschungsarbeiten deuten darauf hin, dass die Ablagerungen in den Gefäßen durch die Oxidation von Lipoproteinen mitverursacht werden. Die Aufgabe der Lipoproteine ist es, Cholesterin und andere Fettverbindungen im Blut zu transportieren. Insbesondere Nahrungsfette und Antioxidantien in unseren Lebensmitteln bestimmen, wie viel LDL (Low Density Lipoprotein) oxidiert wird. Je mehr Fette wir essen, die den Gehalt an LDL-Cholesterin im Blut erhöhen, desto eher wird das LDL oxidiert und desto leichter verstopfen die Arterien.
Die gesättigten Fettsäuren beeinflussen den Cholesterinspiegel am stärksten. Ein hoher Anteil in der Nahrung erhöht den Cholesteringehalt im Blut und gleichzeitig die Sterblichkeit für die koronare Herzkrankheit. Dies ergab die Auswertung der so genannten Sieben-Länder-Studie, einer groß angelegten Bevölkerungsstudie, an der insgesamt 13.000 Männer in sieben Ländern teilnahmen. Gesättigte Fettsäuren wie Palmitin- und Myristinsäure, die vornehmlich in tierischen Lebensmitteln enthalten sind, sowie die hauptsächlich in Kokos- und Milchfett vorkommende Laurinsäure steigern die Konzentration des LDL-Cholesterins mehr als die des HDL-Cholesterins (High Density Lipoprotein). Dies erhöht den LDL/HDL-Quotienten, der als besonderer Risikofaktor für Arteriosklerose angesehen wird. Um nicht zu viele gesättigte Fettsäuren aufzunehmen, sollte der Verzehr an tierischen Lebensmitteln wie Wurst, fettreichem Fleisch und Milchprodukten in Grenzen gehalten werden.
Die gängige Empfehlung lautet deshalb, täglich nicht mehr als 300 Milligramm Cholesterin aufzunehmen. Allein in einem mittelgroßen Ei sind schon 200 Milligramm Cholesterin enthalten. Daher sollten gefährdete Personen, die bereits einen hohen Cholesterinwert haben bzw. bei denen weitere Risikofaktoren wie Bluthochdruck und Rauchen vorliegen, pro Woche nicht mehr als zwei Eier essen. In einer 1999 veröffentlichten Studie fand sich allerdings kein statistischer Zusammenhang zwischen der Anzahl der verzehrten Eier und dem Auftreten koronarer Herzerkrankung.
Umstritten ist auch die Beurteilung der Transfettsäuren. Natürlicherweise kommen sie nur in geringen Mengen in Fleisch, Butter und Milchprodukten vor. In größeren Mengen entstehen sie bei der chemischen Härtung von Pflanzenölen, z. B. für die Herstellung von Margarine. Industriell hergestellte Produkte wie Pommes frites, Kartoffelchips und Backwaren enthalten mitunter beachtliche Mengen. 100 Gramm Butter liefern etwa 2 Gramm Transfettsäuren, Margarine kann 3-6mal mehr aufweisen. Transfettsäuren erhöhen das LDL-Cholesterin und die Konzentration weiterer schädlich wirkender Lipoproteine im Blut. Außerdem senken sie das HDL-Cholesterin. Zahlreiche Studien haben gezeigt, dass größere Mengen Transfettsäuren in der Nahrung das Risiko für koronare Herzerkrankung erhöhen. Nach Auffassung verschiedener Wissenschaftler hat die in Deutschland durchschnittlich verzehrte Menge von wenigen Gramm pro Tag jedoch keine nachteiligen gesundheitlichen Auswirkungen. Eine endgültige wissenschaftliche Bewertung steht allerdings noch aus.
Experten gehen davon aus, dass eine ballaststoffreiche Ernährung vor allem deshalb günstig wirkt, weil dadurch automatisch weniger Fette bzw. gesättigte Fettsäuren aufgenommen werden. Zum anderen senken die Ballaststoffe die Blutfettwerte aber auch direkt. Denn sie binden Gallensäuren im Darm, die der Körper aus Cholesterin aufbaut. Die gebundenen Gallensäuren werden ausgeschieden, so dass der Körper Cholesterin verliert.
Da bisher nur Hinweise, aber keine Beweise für die schützende Wirkung der antioxidativ wirksamen Vitamine existieren, lassen sich keine generellen Empfehlungen zur Supplementierung ableiten. Aus Bevölkerungsstudien ist aber bekannt, dass ein hoher Obst- und Gemüseverzehr mit einem hohen Anteil an Vitaminen das Risiko für kardiovaskuläre Erkrankungen senkt. Einigkeit besteht deshalb darüber, dass es günstig ist, täglich mehrere Portionen Obst und Gemüse zu essen.
Auch Polyphenole aus Rotwein besitzen vermutlich protektive Wirkungen. In Laborversuchen schützten sie wesentlich stärker vor Oxidationen als entsprechende Mengen an Vitamin E. Eine moderate Alkoholaufnahme von nicht mehr als einem kleinen Glas Rotwein oder einem Glas Bier am Tag (= 10 Gramm Ethanol) reduzierte in verschiedenen Studien das koronare Risiko. Wahrscheinlich ist auch Ethanol für den schützenden Effekt verantwortlich, indem es die Konzentration des HDL-Cholesterins erhöht. Ob die günstige Wirkung des Rotweins durch den Alkohol oder seine Phenole bzw. beide Inhaltsstoffe hervorgerufen wird, ließ sich bisher nicht genau feststellen. Allerdings ist ein Zuviel an Rotwein wegen der negativen Wirkungen des Alkohols schädlich. Denn eine exessive Alkoholzufuhr erhöht die Sterblichkeit für Herz-Kreislauferkrankungen.
Ähnlich starke antioxidative Wirkungen wie für die Phenole aus Rotwein konnten für das am häufigsten in unserer Nahrung vorkommende Flavonoid Quercetin nachgewiesen werden. Flavonoide, die das Risiko für koronare Erkrankungen mindern, kommen in Wein, Tee, Gemüse und Obst vor. Weitere sekundäre Pflanzenstoffe mit antioxidativer Wirkung sind Carotinoide, Phytoöstrogene und Protease-Inhibitoren. Ob die vor Arteriosklerose schützenden Effekte von Obst und Gemüse letztlich durch Vitamine, sekundäre Pflanzenstoffe oder beide Stoffgruppen gemeinsam bedingt sind, konnten Wissenschaftler bisher noch nicht eindeutig klären.
Gewarnt wird vor einem übermäßigen Verzehr von Kochsalz, der für die Entstehung von Bluthochdruck mitverantwortlich gemacht wird, einem der Hauptrisikofaktoren für koronare Herzerkrankung. Ob eine salzarme Kost aber wirklich dazu beitragen kann, den Blutdruck zu senken, ist umstritten. Fest steht, dass nicht alle Menschen auf eine reduzierte Salzzufuhr mit einem geringeren Blutdruck reagieren. Somit macht eine Verringerung des Salzkonsums nur bei salzsensitiven Hochdruckpatienten einen Sinn. Ob jemand mit Bluthochdruck auf eine salzarme Kost reagiert, stellt sich allerdings erst heraus, wenn eine solche Diät ausprobiert wird.
Für einige Inhaltsstoffe ist noch nicht eindeutig geklärt, in welchem Ausmaß sie das Risiko von Herz-Kreislauferkrankungen erhöhen, und wissenschaftlich exakte Beweise für die schützende Wirkung einzelner Ernährungsfaktoren stehen noch aus. Unumstritten ist aber, dass der Ernährung bei der Prävention von Herz-Kreislauferkrankungen eine zentrale Rolle zukommt. Werden die Empfehlungen bei der Zusammenstellung der täglichen Nahrung berücksichtigt, kann der Entstehung der Arteriosklerose effektiv vorgebeugt werden. Auch bei schon erkrankten Personen kann dadurch das erneute Auftreten eines Herzinfarkts oder Schlaganfalls verhindert werden.
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Quelle: Brehme, U.: UGB-Forum 5/99, S. 258-261
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