Dipl. oec. troph. Wiebke Franz
Mit konventioneller Mischkost sind die Empfehlungen der Deutschen Gesellschaft für Ernährung zur Folsäurezufuhr für Schwangere nicht zu erreichen. Ob die Vollwert-Ernährung den erhöhten Bedarf vollständig deckt, ist bislang noch nicht geklärt. Bei einer Schwangerschaft sollte der Frauenarzt überprüfen, ob eine Folsäureeinnahme notwendig ist.
Das Vitamin Folsäure ist am Aufbau von Nukleinsäuren sowie am Aminosäuren- und Nervenstoffwechsel beteiligt. Es wird daher bei allen Wachstumsvorgängen benötigt. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) empfiehlt Schwangeren täglich 300 µg aufzunehmen, das ist die doppelte Menge wie für nicht schwangere Frauen. Einige Fachleute halten sogar eine Zufuhr von 400 µg pro Tag für notwendig.
Ein Folsäuremangel in der Schwangerschaft wird mit Fehlgeburten, vorzeitiger Ablösung der Plazenta, niedrigem Geburtsgewicht und Neuralrohrdefekten in Verbindung gebracht. Besonders gefährdet sind junge Frauen, die direkt nach der eigenen Wachstumsphase schwanger werden. Auch Frauen mit rasch aufeinanderfolgenden Schwangerschaften oder Mehrlingsgeburten haben meist niedrige Werte. Rund 15-30 % aller Schwangeren weisen einen Folsäuremangel auf.
Besonders wegen des Risikos eines Neuralrohrdefekts wird eine zusätzliche Folsäureaufnahme empfohlen. Das Neuralrohr hat eine wichtige Bedeutung bei der Entwicklung von Gehirn und Rückenmark des Fötus. Es schließt sich bereits zwischen dem 24.-28. Schwangerschaftstag. Zu diesem Zeitpunkt wissen viele Schwangere noch nicht, daß sie ein Kind erwarten. Bildet sich das Neuralrohr nicht richtig aus, können Fehlgeburten oder schwere Schäden beim Kind auftreten. Wie oft Neuralrohrdefekte Fehlgeburten auslösen, ist nicht genau bekannt. Mehrere Studien zeigen, daß die Einnahme von Folsäure vor und während der Schwangerschaft das Risiko eines Neuralrohrdefekts merklich senkt.
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Quelle: Franz, W.: UGB-Forum 2/98, S. 111
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