Dipl. oec. troph. Wiebke Franz
Pu-Erh-Tee ist ein speziell fermentierter Tee, dem verschiedene gesundheitliche Wirkungen zugesprochen werden. Für diese Wirkungen gibt es weder eine fundierte Erklärung noch werden wissenschaftliche Belege genannt. Daher ist der Genuß dieses Tees als Schlankheitsmittel nicht zu empfehlen.
Mit massiven Werbekampagnen wird zur Zeit Pu-Erh-Tee als neues Schlankheitsmittel angepriesen. Für Preise bis zu 40,- DM pro 100 Gramm können Abnehmwillige den Tee in Teefachgeschäften, Asialäden, Apotheken, Reformhäusern, Naturkostläden oder über den Versandhandel beziehen. Als lose Blattware, in gepreßter Form und sogar als Kapseln steht der Tee zur Verfügung.
Auch die Aussagen zu den Wirkungen des Tees sind mehr als dürftig. Pu-Erh-Tee soll die Blutfettwerte, insbesondere den Cholesterinspiegel senken, das Immunsystem sowie die Verdauung anregen und über den Leberstoffwechsel den Alkoholabbau fördern. Daß der Teekonsum zum Abbau von Körpergewicht beiträgt, soll angeblich in klinischen Studien in China und Frankreich beobachtet worden sein. Genaue Quellen können die Vertreiber allerdings nicht angeben. Selbst ein Anbieter sieht einen uneingeschränkten Genuß des Pu-Erh-Tees kritisch und empfiehlt, ihn nicht literweise zu trinken. Es sei nicht sicher, ob der Tee möglicherweise mit Giften von Schimmelpilzen belastet sei. Zudem weist der konventionell angebaute Tee stark schwankende Belastungen mit Pestiziden auf. Der Bundesverband Naturkost Naturwaren (BNN) empfiehlt seinen Mitgliedern insbesondere aufgrund von möglichen DDT-Belastungen, generell eine Analyse des Pestizidgehaltes zu fordern. Bisher gibt es auch noch keine Daten zum Coffein- und Gerbstoffgehalt des Pu-Erh-Tees. Die Frage, ob der angebliche Wundertee die gleichen negativen Wirkungen wie Schwarztee und Bohnenkaffee hat, bleibt damit offen.
LITERATUR:
HEUSCHRECKE GmbH, Köln (Hrsg.): Info Pu-Erh Tee vom 16.03.1999
N.N.: Abgebrühte Verbrauchertäuschung - Pu-Erh-Tee als Schlankheitsmittel wirkungslos. In: Pressedienst Verbraucherzentrale Hessen 24, 1999
N.N.: Belasteter Pu Erh Tee. In: BNN-Einzelhandel Pressedienst vom 18.03.1999
SINASS-TEE (Hrsg.): Pu Erh Tee. In: SinAss-Informationsdienst 3, Bremen 1999
WEIHOFEN, J.: Pu-Erh. Roter Tee aus China - nicht nur ein "Fettkiller". Sanoform, Troisdorf 1998
Quelle: Franz, W.: UGB-Forum 2/99, S. 112
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