Was gilt als BSE-Risikomaterial?
Wie sicher sind BSE-Schnelltests?
BSE-Test am lebenden Tier
Dipl. oec. troph. Wiebke FranzWas gilt als BSE-Risikomaterial?
Derzeit stufen Experten Gehirn, Augen, Mandeln, Milz, Bries, Herz, Leber, Lunge, Darm, Blut sowie Wirbel- und Röhrenknochen von Wiederkäuern und damit hergestellte Produkte als BSE-Risikomaterial ein. Für Lebens- und Futtermittel sind in Deutschland aber nur Schädel, Mandeln, Darm, Wirbelsäule und Rückenmark verboten.
Die für BSE höchstwahrscheinlich verantwortlichen Prionen (Eiweißmoleküle) reichern sich insbesondere in Nerven- und lymphatischem Gewebe an. Experten stufen daher den Schädel (Augen, Gehirn), die gesamte Wirbelsäule, Mandeln und Rückenmark von über zwölf Monate alten und den Darm aller Wiederkäuer als BSE-Risikomaterial ein. Ihr Einsatz für Lebens- und Futtermittel ist in der Europäischen Union verboten. In Deutschland darf inzwischen auch BSE-Risikomaterial von jüngeren Tieren nicht mehr verarbeitet werden. Kritische Wissenschaftler halten außerdem die Verwendung von Milz, Bries, Herz, Leber, Lunge und des Bluts von Wiederkäuern für riskant. Diese Bestandteile dürfen in Deutschland aber noch verarbeitet werden.
Für den Verbraucher ist es nur schwer zu erkennen, welche Produkte möglicherweise gefährdete Rinderbestandteile enthalten. Bei Wurstwaren und Fleischerzeugnissen, aber auch bei Fertigprodukten ist die genaue Zusammensetzung selten ersichtlich. In Fertiggerichten darf Rindfleisch beispielsweise als "Fleischanteil" oder "Fleischeinwaage" deklariert sein. Die Angabe, von welcher Tierart das Fleisch stammt, ist nicht erforderlich. Dies gilt auch für andere tierische Zutaten wie Gelatine, kollagenes Eiweiß oder tierische Fette. Diese können sogar in Produkten enthalten sein, bei denen man nicht an tierische Lebensmittel denkt, wie Backwaren oder Pflanzenmargarine. Selbst die Kennzeichnung "garantiert ohne Rind" schließt nicht aus, dass Zutaten vom Rind wie Bluteiweiß oder Darm verwendet wurden. Der Darm kann sich z. B. hinter den Bezeichnungen Hülle oder Haut verbergen. Nur wenn auf der Verpackung steht "garantiert ohne Bestandteile vom Rind", "reine Schweinewurst" oder "reine Pflanzenmargarine", dürfen keinerlei Zutaten vom Rind enthalten sein.
Das Infektionsrisiko der folgenden Lebensmittel ist zwar gering, aber nicht ganz auszuschließen. Wer sich weitgehend vor BSE schützen will, sollte auf dies Produkte verzichten.
Literaturangaben:
BUNDESINSTITUT FÜR GESUNDHEITLICHEN VERBRAUCHERSCHUTZ UND VETERINÄRMEDIZIN (Hrsg.): Weitere Maßnahmen zur Reduzierung des BSE-Risikos erforderlich. In: BgVV-Pressemitteilung 3 vom 17.01.2001
DEUTSCHE GESELLSCHAFT FÜR ERNÄHRUNG (Hrsg.): Besteht die Gefahr, sich durch Gelatine mit dem BSE-Erreger zu infizieren? In: DGE-info 11, S. 15, 1994
DEUTSCHE GESELLSCHAFT FÜR ERNÄHRUNG (Hrsg.): Wurst, Hackfleisch und Hamburger. DGE gibt Infos zum Thema Würste und BSE. In: DGE aktuell 2 vom 09.01.2001, aus: www.dge.de
VERBRAUCHER-ZENTRALE HESSEN (Hrsg.): Aktuelles zum Thema Rinderwahnsinn. Stand 08.02.2001. aus: www.verbraucher.deWie sicher sind BSE-Schnelltests?
BSE-Schnelltests können die Krankheit nur bei bereits erkrankten Tieren sicher nachweisen. Bei symptomlosen Tieren liefern sie lediglich einen Verdacht auf BSE. Anwendbar ist der Test nur bei Rindern die mindestens 20 Monate alt sind. Positive Ergebnisse sind frühestens sechs Monate vor Ausbruch der Erkrankung möglich.
In Deutschland müssen mittlerweile alle geschlachteten Rinder, die älter als 24 Monate sind, einem BSE-Schnelltest unterzogen werden. In der Europäischen Union liegt die Altersgrenze bei 30 Monaten. Für den Schnelltest wird Gewebe aus dem Stammhirn entnommen, weil dort die höchste Prionenkonzentration zu finden ist. Das Gewebe wird verflüssigt und mit einem Antikörper auf krankhaft verändertes Prion-Protein analysiert. Das Testergebnis liegt nach 6-8, spätestens nach 12 Stunden vor. Für Tiere, die bereits erkennbare Symptome zeigen, gilt der Test als sicher. Bei Rindern, die noch keine Krankheitsanzeichen haben, kann die Anzahl der Prionen im Gehirn zu gering sein, um sie nachzuweisen. Ein negatives Testergebnis bedeutet daher nicht sicher, dass das Tier BSE-frei ist. Tiere, die jünger als 30 Monate sind, weisen nur sehr selten klinische Symptome und damit ausreichende Prionenkonzentration im Gehirn auf. Infizierte Rinder weisen erst sechs Monate vor den ersten Krankheitssymptomen ausreichende Konzentrationen auf. Vorher hat der BSE-Schnelltest nur selten Erfolg.
Bei positiven Schnelltests muss der Verdacht im Nationalen Referenzlabor in Tübingen überprüft werden. Dort werden zeitaufwendigere, dafür aber eindeutige Untersuchungsverfahren eingesetzt.
Der Nachweis von BSE ist bisher ausschließlich an toten Tieren möglich. An Testverfahren für lebende Tiere wird international intensiv geforscht. Die verschiedenen Ansätze, BSE z. B. in Blut, Mandeln, Blinddarm, Rückenmark oder Hirnflüssigkeit nachzuweisen, sind derzeit noch im Entwicklungsstadium.
Literaturangaben:
BUNDESMINISTERIUM FÜR VERBRAUCHERSCHUTZ, ERNÄHRUNG UND LANDWIRTSCHAFT (Hrsg.): Erste Verordnung zur Änderung der Verordnung zur fleischhygienerechtlichen Untersuchung von geschlachteten Rindern auf BSE vom 25. Januar 2001. In: www.bml.de/verbraucher/bse/bse-aenderungsverordnung.htm
DEUTSCHE GESELLSCHAFT FÜR ERNÄHRUNG (Hrsg.): Wie kann BSE festgestellt werden - Verfahren und Tests. In: DGE spezial 1/2001, aus: www.dge.de
SUEDDEUTSCHE ZEITUNG (Hrsg.): Risiko Rinderwahn. Prionen-Tests. aus: www.sueddeutsche.de/wissenschaft/bse-neu/tests.htm vom 13.02.2001
WELLING, M.: Zulassung und Einsatz von BSE-Schnell-Tests. Mitteilung vom 22.11.2000. 2 S., aus: idw.tu-clausthal.de/public
WELLING, M.: Bundesforschungsanstalt betreibt nationales BSE-Referenzzentrum. Mitteilung vom 28.11.2000., aus: idw.tu-clausthal.de/public
WELLING, M.: Was passiert bei Bestätigung eines BSE-Falles? Mitteilung vom 25.12.2000. aus: idw.tu-clausthal.de/public
Mit einem an der Universität Zürich entwickeltem Verhaltenstest sollen mit BSE infizierte Rinder erkannt werden. Bei dem in der Schweiz bereits zum Standard gehörenden Test werden Rinder unter anderem mit Blitzlicht und Berührungen am Kopf getestet. Es werden das Verhalten, die Sensibilität und die Bewegung der Tiere geprüft. Betroffene Rinder fallen durch besondere Schreckhaftigkeit, Ängstlichkeit und Nervosität auf. Auch Zähneknirschen und vermehrter Speichelfluss wurden beobachtet.
Die Reaktionen sind bei den Tieren unterschiedlich stark ausgeprägt, besonders in der Anfangsphase sind die Symptome schwer zu erkennen. Zwar kann bei einem einzelnen typischen Krankheitsverhalten nicht von einer Infektion ausgegangen werden. Wenn allerdings mehrere der beschriebenen Verhaltensstörungen erkennbar sind, liegt der BSE-Verdacht nahe. Die Schweizer Wissenschaftler gehen davon aus, dass bei wiederholtem Auftreten von mindestens zwei Symptomen der Ausbruch von BSE wahrscheinlich ist. Der Test gewährt zwar keine absolute Sicherheit und kann die Laboruntersuchungen nicht ersetzen, bietet aber die Möglichkeit, Verdachtsfälle zu erkennen.
Quelle: AID-Presseinfo, S.2, vom 29.02.2001
Beitrag aus dem UGB-Archiv: Inhalte sind durch neue wissenschaftliche Erkenntnisse möglicherweise neu zu bewerten.