Dr. Manuel Schneider
Dank der beschleunigten landwirtschaftlichen Produktion sind Lebensmittel heute an jedem Ort zu jeder Zeit verfügbar. Doch dieser vermeintliche Erfolg ist teuer erkauft. Pflanzen und Tieren bleibt immer weniger Zeit zum Wachsen; Bäuerinnen und Bauern werden zu gehetzten Zeitsparern.
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Im Leben und Wirtschaften auf dem Land ist das Eingebundensein des Menschen in die Zeiten und Rhythmen der Natur (noch) offenkundig. Das betrifft etwa das Wachstum und die Reifungsprozesse der Pflanzen und Tiere, den Wechsel der Jahreszeiten und die notwendige Orientierung vieler landwirtschaftlicher Arbeiten am Jahreslauf. |
Der Blick in einen modernen Stall zeigt jedoch, dass dank modernster Zucht- und Fütterungsverfahren die Leistung der Tiere pro Zeiteinheit enorm gestiegen ist: mehr Milch, mehr Eier, mehr Fleisch und das in immer kürzerer Zeit. Elf Monate lang musste ein Schwein Anfang des Jahrhunderts gemästet werden, um sein Schlachtgewicht von 100 Kilogramm zu erreichen. Heute reicht weniger als die Hälfte der Zeit. Was vom Leistungs- und Zeitgewinn übrig bleibt, sind oftmals krankheitsanfällige und gestresste Tiere. Die immer schnelleren Leistungszunahmen stehen nachweislich in direktem Zusammenhang mit einem starken Rückgang der Lebenszeit landwirtschaftlich genutzter Tiere. Auf dem Acker sieht es nicht viel besser aus als in den Ställen: Um einen Hektar Getreide zu mähen und zu dreschen, benötigte ein Bauer vor 100 Jahren rund 300 Stunden. Dank technischer Aufrüstung seines Betriebes schafft er das heute in einer Stunde. Doch die Zeiteinspareffekte haben eher zu einer Verdichtung von Zeit und damit zu mehr Hektik in den Betrieben geführt.