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Diät und Sport - Bedeutung der körperlichen Aktivität beim Abnehmen

Sport und Sportmedizin besitzen für unsere Gesellschaft die wichtige Aufgabe, die Prävention chronisch degenerativer Erkrankungen voranzutreiben, um darüber die mit hohen Kosten verbundene Morbidität im späten Erwachsenenalter zu begrenzen. Unabhängig vom Lebensalter sollte so mit angebotenen Aktivprogrammen das Ziel verknüpft sein, den Lebensstil bei Verbesserung der körperlichen und metabolischen Fitneß in Richtung auf eine gesunde, d. h. risikoarme Lebensweise zu verändern.

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Körperliche Inaktivität und Fehlernährung zählen weiterhin zu dem in der Bevölkerung verbreitesten, gesundheitlichen Fehlverhalten. Vermehrt und gezielt müssen deshalb Anstrengungen unternommen werden, über Veränderungen im Freizeit-, Aktivitäts- und Ernährungsverhalten im jungen und mittleren Alter die Lebensqualität und Gesundheit bis ins hohe Lebensalter zu erhalten.

Bewegung beugt vor

Analog zu Ernährungsfaktoren können in der Wirkweise von Sport und Mehraktivität schadensreduzierende von schützenden Anpassungsvorgängen unterschieden werden. Den für diese Anpassung anzustrebenden Aktivitätsumsatz in der Freizeit von 2-3 Sportstunden pro Woche erreichen nur etwa 20 % der Frauen und Männer im mittleren Lebensalter. Gerade in diesem Alter ist die Bereitschaft für eine risikobehaftete Lebensweise mit Neigung zu Ernährungsfehlern, erhöhtem Alkoholkonsum, Schlafdefizit, Arbeitsstreß und fehlendem aktiven Freizeitausgleich besonders ausgeprägt. Die Erfahrung zeigt jedoch, daß bei entsprechender Motivation und Anbindung an eine Sportgruppe Aktivitätsumsätze erzielt werden können, die eine signifikante Wirkung auf Körpergewicht und Fitneß und damit auch auf den Verlauf chronisch degenerativer Erkrankungen - hier im besonderen auf arteriosklerotische Primärerkrankungen - erwarten lassen.

Eine wesentliche Voraussetzung für die Empfindlichkeit gegenüber Störfaktoren ist die sich mit dem Alter ändernde Körperkomposition. Diese ist wie andere anthropometrische Körpermerkmale zwar genetisch determiniert, wird aber über den individuellen Ernährungs- und Aktivitätsstatus wesentlich beeinflußt. Mit zunehmendem Lebensalter wird der Verlust an aktiver Körpermasse durch Fetteinlagerung kompensiert. Dies hat erhebliche Nachteile und verändert das physiologische Gleichgewicht von pro- und antiatherogenen bzw. entzündungsfördernden und -hemmenden Faktoren. Durch eine vollwertige, kalorisch ausgewogene und in ihrer Fettzusammensetzung modifizierten Ernährung kann bei gleichzeitiger körperlicher Aktivität auch mit steigendem Lebensalter der Anteil der Körpermasse zu Gunsten der Muskulatur und zu Lasten des Fettanteils günstig beeinflußt werden. Dies hat entscheidende Konsequenzen für den Manifestationszeitpunkt und die Wahrscheinlichkeit des Auftretens der heute bekannten metabolischen Risikofaktoren: Periphere Insulinresistenz, Hyperinsulinismus, verminderte periphere Ansprechbarkeit auf Katecholamine und Androgene, Dyslipoproteinämie mit erhöhtem Anteil an atherogenen Low-Density-Lipoprotein-Partikeln, vermehrte Lipidperoxidation.

Orientierend an den häufig benutzten Fitneßgrößen Body-Mass-Index (BMI, kg/m2) und maximale Sauerstoffaufnahme (VO2max/KG, ml/kg/min) ist ein BMI kleiner 25 und eine VO2max/KG größer 40 wünschenswert. Für Personen mit einer schlechteren Fitneß als 40 ml/kg/min VO2max/KG muß mit einer erhöhten Neigung zu Übergewicht sowie mit einer deutlichen Verschlechterung der Körperkomposition, ungünstigem metabolischem Profil und mit dem vermehrten Auftreten von Risikofaktoren gerechnet werden.

Genetische Faktoren

Bei bereits bestehendem Übergewicht kann von einem individuell vorliegenden Ungleichgewicht zwischen Energieaufnahme, Energieverwertung und Energieabgabe ausgegangen werden. Prinzipiell muß dazu überbilanzierte Energie als Fettspeicher deponiert werden; die Fähigkeit, Energie einzusparen oder auch zu speichern, ist weitgehend genetisch vorgegeben. Bei der für uns üblichen kalorienreichen und fettbetonten Ernährung wird damit ein ursprüngliches Überlebens-prinzip zum Risiko. Dieses vereinfachte Prinzip gibt jedoch nicht die Komplexität der Adipositas wieder. Man muß heute davon ausgehen, daß die Disposition zum Übergewicht auch von einer Präferenz bezüglich des individuellen Ernährungs- und Bewegungsverhaltens begleitet wird. Umsomehr können Interventionen von Seiten der Ernährung, des Verhaltens und der Bewegung dazu führen, langfristige Gewichtsreduktionen mit anhaltender Gewichtsstabilität zu erreichen. Der verhängnisvolle Kreis, daß mit verminderter körperlicher Aktivität und vermindertem Energieverbrauch wesentliche Faktoren der Adipositasentstehung wie Grundumsatz, Thermogenese und Fettbilanz zu Ungunsten der Körperkomposition reguliert werden, kann unterbrochen werden. Dafür ist es aber erforderlich, daß bei moderater Intensität Belastungsreize mit einer Zeitdauer von mehr als ca. 30 Minuten gesetzt werden; über die Wahl von Zeitdauer und Intensität der Belastung ist so eine bevorzugte Energiebereitstellung über die Verbrennung von Fettsäuren und damit als Trainingseffekt auch ein Fettabbau möglich.

Bei bestehendem Übergewicht reicht körperliche Aktivität allein in der Regel aber nicht aus, wenn eine ausreichende Gewichtsreduktion und Gewichtsnormalisierung erzielt werden soll. Dies gilt für Erwachsene wie für Jugendliche und Kinder. Die Reduktion des bestehenden Übergewichts und leider auch die Stabilisierung eines erreichten niedrigeren Körpergewichts ist mit einer Reduzierung der Energieaufnahme und des Fettanteils verbunden; so zeigen Übergewichtige bereits bei normaler Verteilung in der Zufuhr von Kohlenhydraten und Fetten eine positive Fettbilanz. Körperliche Aktivität fördert aber auch über die erfahrene Leistungssteigerung und Steigerung des Selbstwertgefühls die Wahrscheinlichkeit, Verhaltens- und Ernährungsumstellung beizubehalten. Das Verbleiben im sozialen Umfeld und die Akzeptanz der Problempersönlichkeit, verbunden mit der täglichen Auseinandersetzung von Eßverhalten, Ernährungsweise und individueller Problembewältigung, erscheinen zwingend notwendig, um langfristig Erfolge in der Kontrolle des Körpergewichts zu erzielen.

Quelle: UGB-Fachtagung "Vollwertig abnehmen", 17.-19.10.1996
Foto: © DAK/Schläger