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Trinkwasser in Gefahr?

Leitungswasser ist ein beliebter Durstlöscher. Es ist immer verfügbar, preiswert und fließt schön kühl aus dem Hahn. Es gilt als eines der am strengsten kontrollierten Lebensmittel in Deutschland. Dennoch finden sich Pestizid-, Nitrat- und Arzneimittelrückstände darin. Wie rein ist unser Trinkwasser wirklich?

Problem 1: Nitrat

Wenn im Frühjahr die Bauern beginnen, ihre Felder mit Gülle zu düngen, merkt man das nicht nur am penetranten Geruch. Mancherorts schnellen anschließend die Nitratwerte umliegender Gewässer in die Höhe. Auch durch den Einsatz von Mineraldünger und Gärresten aus Biogasanlagen, über Sickerwasser, Wind- und Wassererosion sowie Einträge über landwirtschaftliche Hofabläufe gelangt der Stoff in Grund- und Oberflächenwasser. Dort trägt er zur Nährstoffanreicherung bei, die zu vermehrtem Algenwachstum führt. Laut Gesetz dürfen in Deutschland höchstens 50 Milligramm Nitrat in einem Liter Trinkwasser enthalten sein. In Regionen mit intensiver Landwirtschaft, wie etwa in großen Teilen Niedersachsens, kommt es immer wieder zu Überschreitungen. Nitrat selbst ist relativ unbedenklich, doch unser Körper ist in der Lage, das Nitrat in Nitrit umzuwandeln. Für Neugeborene und für Kinder mit bakteriellen Magen-Darm-Infektionen kann das zu einer Störung des Sauerstofftransports führen.

Problem 2: Pestizide

Auch Pflanzenschutzmittel gelangen durch die Landwirtschaft ins Grundwasser. Die Trinkwasserverordnung legt für alle Pestizide und deren relevante Abbauprodukte einen Grenzwert von je 0,1 Mikrogramm pro Liter fest. Zusammen dürfen sie 0,5 Mikrogramm pro Liter nicht überschreiten. Die im Jahr 2007 am weitesten verbreiteten Pestizid-Abbauprodukte waren N,N-Dimethylsulfamid (DMSA) und Chloridazon-Desphenyl. Mögliche Folgen einer Pestizidaufnahme sind zum Beispiel Hauterkrankungen oder Missbildungen bei Neugeborenen.

Problem 3: Medikamentenrückstände

Immer häufiger finden sich in unserem Trinkwasser Rückstände von Medikamenten. Apotheken und Krankenhäuser geben pro Jahr etwa 38.000 Tonnen an Schmerzmitteln, Antibiotika, blutdrucksenkenden Mitteln und weiteren Pharmaka ab. Nur ein Teil der Wirkstoffe wird vom Körper verstoffwechselt, der Rest gelangt über den Urin und das Abwasser in Grund- und Oberflächenwasser – und letztendlich in unser Trinkwasser. Hinzu kommt, dass immer noch Tabletten und flüssige Medikamente über die Toilette oder Spüle unsachgemäß entsorgt werden. Die Arzneimittelrückstände in Grund- und Trinkwasser betragen meist nur einige Nanogramm pro Liter und haben keine pharmakologische Wirkung. Dennoch weiß man bisher nicht, ob auch solch geringe Dosen vor allem als Cocktail Schäden anrichten können. Immerhin hat man in Oberflächengewässern bisher schon über 100 verschiedene Arzneimittelrückstände nachgewiesen.

Was kann jeder für sauberes Wasser tun:

Bevorzugt Biolebensmittel kaufen: Biobauern verzichten auf synthetische Pestizide und mineralischen Stickstoffdünger.

Weniger tierische Lebensmittel essen: Intensive Tierhaltung belastet durch die anfallende Gülle das Grundwasser mit Nitrat.

Verantwortungsvoll mit Medikamenten umgehen und nicht mehr genutzte Arzneimittel im Hausmüll oder an speziellen Schadstoffsammelstellen entsorgen: Bei der Verbrennung werden die Arzneimittelwirkstoffe unschädlich gemacht.

Über die Qualität des regionalen Trinkwassers informieren die Wasserversorger sowie die Gesundheitsämter.

Artikel: Sandra Peter
Foto: B. Kasper/pixelio.de