Unterstützung

Kooperationspartner

Hormongift aus der Dose

Jeder von uns ist mit Sicherheit schon häufiger mit der gesundheitsschädlichen Substanz Bisphenol A in Berührung gekommen. Der chemische Stoff steckt unter anderem in Konserven- und Getränkedosen, in Kassenbons, in Plastikschnullern und in mikrowellenfestem Plastikgeschirr.

Bisphenol A gehört wie die Weichmacher Phytalate zu den Umwelthormonen, auch endokrine Disruptoren (EDCs) genannt. Diese können in den Hormonhaushalt des Körpers eingreifen, indem sie zum Beispiel wie Hormone wirken oder Hormonrezeptoren blockieren. Experten wissen schon lange, dass EDCs die Gesundheit beeinträchtigen können. Bisphenol A wirkt wie das weibliche Hormon Östrogen und hat in Tierversuchen Missbildungen von Organen verursacht sowie die Gehirnentwicklung und Fortpflanzung beeinträchtig. Beim Menschen gilt Bisphenol A unter anderem als Mitverursacher für Herz-Kreislauferkrankungen, Diabetes sowie Brust- und Hodenkrebs.

Bisphenol A wird zur Herstellung des Kunststoffes Polycarbonat und von Epoxidharzen verwendet. Viele durchsichtige bruchsichere Kunststoffartikel enthalten Bisphenol A, ebenso wie die Innenbeschichtungen von Bier-, Konserven- und Limonadendosen. Auch Kassenbons und andere Thermopapiere enthalten das Hormongift als Farbbildner. Das problematische an Bisphenol A ist, das es an Lebensmittel abgegeben wird oder sich beim Erwärmen aus dem Kunststoff löst und so in die Nahrung gelangt. Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) hat Thunfisch-, Tomaten- und Kokosmilchkonserven untersucht um festzustellen, wie viel Bisphenol A aus der Beschichtung der Doseninnenseite auf die Lebensmittel übergeht. Das Ergebnis war erschreckend: knapp 74 Prozent der 20 Lebensmittelproben waren belastet.

Frisch einkaufen

Akute Gesundheitsschäden sind beim Konsum einer belasteten Konserve nicht zu befürchten. Mit dem häufigen Konsum von konservierten Lebensmitteln steigt jedoch das Gesundheitsrisiko. Seit Juni 2011 dürfen in der EU Baby-Trinkflaschen kein Bisphenol A enthalten. Der BUND fordert ein EU-weites Verbot von Bisphenol A für alle Lebensmittelverpackungen und verbrauchernahen Produkte. Mit welchem Material ein Lebensmittel verpackt ist, muss nicht gekennzeichnet werden. Wer wenig des Hormongifts aufnehmen möchte, sollte Behälter aus Glas bevorzugen, Lebensmittel am besten in Glas-, Keramik- oder Edelstahlbehältern lagern und Nahrung grundsätzlich nicht in Kunststoffbehältern erhitzen. Wer wirklich sicher gehen will, über Konserven kein Bisphenol A zu sich zu nehmen, sollte weitgehend auf eingelegte Lebensmittel verzichten und lieber frische, möglichst unverpackte Ware kaufen.

BUND/FH

Foto: andreas stix/pixelio.de