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Warum uns Fasten gut tut

Fasten ist eine Gelegenheit, sich einmal ganz auf sich selbst zu besinnen. Doch warum wirkt sich eine Nahrungspause auch auf unsere Gesundheit positiv aus?

Ein Erklärungsansatz für die positiven gesundheitlichen Effekte, die durch regelmäßiges Fasten hervorgerufen werden, ist die sogenannte Autophagie. Autophagie bezeichnet einen Vorgang in lebenden Zellen, bei dem Zellbestandteile abgebaut und verwertet werden. Der komplex regulierte Ablauf wird von mindestens 35 Genen gesteuert. Seit vielen Jahrzehnten wird die Autophagie unter anderem von dem japanischen Molekularbiologen Yoshinori Ohsumi erforscht. Im Oktober 2016 erhielt er für seine Arbeit den Nobelpreis für Medizin.

Eine Autophagie wird besonders dann in Gang gesetzt, wenn der Nachschub an Nährstoffen stockt. Eine Situation, die beispielsweise beim Fasten oder intensivem Sport entsteht. In dieser Situation des Mangels greift die Zelle auf eigene Ressourcen zurück. Sie baut ab, was nicht benötigt wird und gewinnt so neue Nährstoffe und Energie. Für die Selbstverdauung zerlegt der Körper abgestorbene Zellbestandteile, fehlstrukturierte Proteine bis hin zu ganzen Zellorganellen, zum Beispiel ältere Mitochondrien. Auch krankhafte oder potenziell krankmachende Strukturen sowie eingedrungene Bakterien und Viren werden so entsorgt. Daher wird die Autophagie häufig als Prozess der Selbstreinigung und Selbsterhaltung beschrieben. Sie hat sich im Laufe der Evolution entwickelt, um defekte Strukturen zu beseitigen und gleichzeitig Energie und Nährstoffe zu sparen. Ist die Autophagie gestört und es kommt nicht zur Zellreinigung, scheint dies Krankheiten wie Krebs, Diabetes, Alzheimer und Parkinson zu begünstigen.

Auch bei der Bekämpfung von Infektionen und Stress spiel die Autophagie eine Rolle, ebenso in der Embryonalentwicklung, um benötigte Bausteine schnell parat zu haben. Da die Autophagie bevorzugt bei zeitweiligem Energiedefizit abläuft, kann sie durch Fasten aktiviert werden. Deshalb ist dieser Vorgang eine weitere Erklärung für die positiven gesundheitlichen Wirkungen des Fastens.

Hans-Helmut Martin

Foto: gänseblümchen/pixelio.de