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Planetary Health Diet: Speiseplan für eine lebenswerte Zukunft

Ein Speiseplan, der gesund ist, den Planeten schützt und die wachsende Weltbevölkerung ernährt – mit der Planetary Health Diet haben Experten konkrete Empfehlungen veröffentlicht, die genau das ermöglichen sollen.

Ziel der Planetary Health Diet ist es, die Menschen auf der ganzen Welt gesund zu ernähren und gleichzeitig einen lebenswerten Planeten zu erhalten. Denn die globale Nahrungsmittelproduktion schadet dem Klima massiv. Gleichzeitig gilt die weltweite Ernährung als stärkster Hebel, mit dem wir mehr Nachhaltigkeit umsetzen können.

Zügiges Handeln ist notwendig

Dürren, Ernteausfälle, steigende Meeresspiegel, Verlust der Artenvielfalt und Wasserknappheit – Die Auswirkungen des Klimawandels gehört vielerorts bereits zur Normalität. Weltweit leiden zudem 820 Millionen Menschen täglich Hunger, während besonders in den westlichen Ländern eine ungesunde Ernährung zu Erkrankungen wie Adipositas, Typ-2-Diabetes oder Herz-Kreislauf-Störungen führt.

Um alle Menschen gesund und umweltverträglich zu ernähren, ist eine grundlegende Veränderung unverzichtbar. Wie das gehen soll, zeigt die Analyse eines internationalen Forscherteams aus 37 Wissenschaftlern, das hinter dem Bericht steht. Ihr Ergebnis: Nur mit einer Umstellung auf nachhaltige Ernährungssysteme lassen sich die Nachhaltigkeitsziele der Vereinten Nationen und die Ziele des Pariser Klimaabkommens erreichen. Anhand ihrer Ergebnisse erstellten die Experten einen konkreten Speiseplan, der ernährungsphysiologische Anforderungen erfüllt, Krankheiten vorbeugt und die natürlichen Grenzen der Ressourcen berücksichtigt.

Lebensmittelgruppe Empfohlene Menge pro Tag in Gramm
Kohlenhydrate
Vollkorngetreide232
stärkehaltiges Gemüse (Kartoffeln, Maniok)50 (0-100)
Gemüse300 (200-600)
Obst200 (100-300)
Proteinquellen
Rind-, Lamm- oder Schweinefleisch14 (0-28)
Geflügel29 (0-58)
Eier13 (0-25)
Fisch28 (0-100)
Hülsenfrüchte100 (0-225)
Nüsse25
Milchprodukte250 (0-500)
Fette
ungesättigte Fette
(Oliven-, Raps-, Sonnenblumen-,
Soja-, Erdnuss-, Traubenkernöl)
40 (20-80)
gesättigte Fette
(Palmöl, Schmalz, Talg)
12 (0-12)
zugesetzter Zucker
alle Süßungsmittel31 (0-31)

Speiseplan kann Klimaschutz bedeuten

In ihrem Speiseplan gehen die Wissenschaftler von einer täglichen Energiezufuhr von 2500 Kilokalorien aus. Das ist selbstverständlich nur ein Schätzwert, der nicht für jede Person gilt. Im Vordergrund stehen vor allem pflanzliche Lebensmittel – reichlich Gemüse, Obst und vorwiegend Vollkornprodukte, ergänzt um geringe Mengen tierischer Lebensmittel. Die Autoren berechneten für jedes Lebensmittel eine empfehlenswerte Menge (siehe Tabelle). Weltweit betrachtet müsste der Verzehr von Gemüse, Obst, Hülsenfrüchten und Nüssen ungefähr verdoppelt, der Verzehr von rotem Fleisch und Zucker dagegen halbiert werden.

Produktion muss sich verändern

Mit einer so aufgestellten Ernährungsweise könnten nach Schätzungen der Wissenschaftler weltweit ungefähr elf Millionen Todesfälle pro Jahr durch ernährungsbedingte Erkrankungen verhindert werden. Gleichzeitig würde eine eher pflanzenbasierte Ernährung mit mehr Hülsenfrüchten und weniger Fleisch weniger Fläche für die Lebensmittelerzeugung beanspruchen. Neben der Veränderung auf unseren Tellern betrifft die zweitwichtigste Maßnahme die Produktion der Lebensmittel. Ziel ist es, die ertragsorientierte Landwirtschaft grundlegend zu verändern. Eine zukunftsfähige Lebensmittelproduktion sollte keine zusätzlichen CO2-Emissionen und andere Klimagase freisetzen, die noch existierende Artenvielfalt erhalten, verantwortungsvoll mit Wasserressourcen umgehen und keine weiteren umwelttoxischen Stoffe ausbringen. Als dritte wichtige Stellschraube nennen die Autoren die Verringerung der Lebensmittelabfälle um mindestens die Hälfte. Denn bislang wandern weltweit große Mengen wertvoller Rohstoffe ungenutzt in den Müll.

Von allen Akteuren ist Umdenken gefragt

Verantwortungsvoller Konsum fängt nicht allein beim Verbraucher an – ohne politische Strategien geht es nicht. Neben Werbung, Transparenz und Ernährungsbildung müssen gesunde Lebensmittel aus nachhaltiger Produktion in Supermärkten erhältlich und für alle Verbraucher erschwinglich sein. Die globale Agrarpolitik muss außerdem Anreize für Landwirte schaffen, vielfältige und nährstoffreiche Feldfrüchte zu erzeugen und nicht das Streben nach hohen Erträgen fördern. Intakte Ökosysteme müssten unter Schutz gestellt, Waldrodungen verboten und umweltschädigende Fischerei-Subventionen abgeschafft werden.

Wie alltagstauglich ist der Klima-Speiseplan?

Kritiker sehen die Umsetzung der Lebensmittelempfehlungen teilweise als problematisch an. Selbstverständlich handelt es sich bei den meisten Vorgaben nur um eine Näherung. Die teils sehr großzügig angegebenen Spannbreiten lassen Raum für Flexibilität – von 0-500 Gramm Milch oder 0-100 Gramm Kartoffeln ist alles möglich. Der Speiseplan der Zukunft stellt lediglich eine grobe Orientierung für eine gesunde und umweltverträgliche Ernährung dar. Jeder kann ihn nach individuellen Ernährungsgewohnheiten, kulturellen oder religiösen Gepflogenheiten und dem verfügbaren Angebot gestalten. Die Vorstellungen der Planetary Health Diet entsprechen größtenteils den Empfehlungen der Vollwert-Ernährung. Pflanzliche Lebensmittel wie Gemüse und Obst, Vollkornprodukte, Kartoffeln, Hülsenfrüchte und Nüsse stehen auch hier im Vordergrund. Milch und Milchprodukte und geringe Mengen an Fleisch, Fisch und Eiern können enthalten sein, müssen es aber nicht. Regionale und saisonale Lebensmittel aus ökologischem Anbau und fair gehandelte Produkte gehören zur Konzeption der nachhaltigen Vollwert-Ernährung dazu.

Foto: Ella Olsson/Pexels.com