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Digital abnehmen

Ob mit einer App, über tägliche E-Mails oder zusammen mit anderen in Online-Foren – Internet und Smartphone ermöglichen ganz neue Ansätze im Kampf gegen lästige Pfunde. Doch sind digitale Angebote wirklich nützlich?

Unter dem Stichwort „abnehmen“ kann jeder auf seinem Handy zwischen unzähligen Apps wählen. Zu Beginn tragen die Anwender Größe, aktuelles Gewicht sowie Alter und das Wunschgewicht ein. Ab diesem Zeitpunkt wird die App zum ständigen Begleiter: Sie zeigt beispielsweise an, wie viel Kilogramm noch bis zum Wunschgewicht fehlen, Gewichtsdiagramme liefern Überblick und ein digitales Ernährungstagebuch hilft dabei, die Ernährungsgewohnheiten zu erfassen. Viele Programme gehen sogar so weit und berechnen die verzehrten Kalorien direkt. In einem zusätzlichen Bewegungstagebuch lassen sich Sport- und Aktivitätspensum eingeben.

E-Mail statt Ernährungsberater?

Neben den Apps für Smartphones gibt es zahlreiche digitale Angebote. Ob Fernsehsender, Frauenzeitschrift oder Krankenkasse – mittlerweile bietet fast jeder auch ein Online-Programm zum Abnehmen an. Immer mehr Verbraucher nehmen diese Angebote wahr. Wer sich anmeldet, bekommt regelmäßig motivierende Nachrichten mit Alltagstipps und Informationen rund um Ernährung, Lebensmittel und sportliche Aktivitäten. Gleichzeitig bieten Online-Plattformen zusätzlich die Möglichkeit, sich in einem Forum Beistand von Gleichgesinnten zu holen und gemeinsam Erfolge zu feiern. Dass diese soziale Unterstützung in einem nicht wertenden Umfeld wichtig ist, zeigte 2019 eine amerikanische Studie.

Ernährungswissen auf einen Klick

Die elektronischen Abnehmhelfer können mittlerweile weit mehr, als nur Kalorien zählen. Sie zeigen, wie viel Fett, Kohlenhydrate und Proteine die Lebensmittel und Mahlzeiten enthalten. Wer es genauer wissen will, kann – in den meisten Fällen gegen eine monatliche Grundgebühr – mit einem Klick auch Ballaststoffgehalt, Zuckeranteil und die Menge der gesättigten Fettsäuren abrufen. Dafür greifen die Programme auf riesige Lebensmitteldatenbanken zurück. Andere schlagen Rezepte zum Abnehmen vor, die zusätzlich noch in Kategorien wie Saisonalität, Klimafreundlichkeit und Kaloriengehalt eingeteilt sind. Manche Anbieter kennzeichnen die Lebensmittel mit einem Ampelsystem oder schlagen direkt nach dem Eintippen der Mahlzeiten Verbesserungen vor. Barcode-Scanner und digitale Einkaufszettel helfen, bereits beim Einkaufen die richtige Wahl zu treffen.

Auch die Wissenschaft hat sich mit dem Online-Abnehmen beschäftigt. Eine britische Studie kam zu dem Ergebnis, dass eine App effektiver beim Abnehmen hilft als ein Online-Tagebuch oder ein Tagebuch auf dem Papier. Von 128 übergewichtigen Personen nahm nach sechs Monaten die Gruppe am meisten ab, die eine Abnehm-App nutzte.

Für viele besteht das größte Problem beim Abnehmen darin, die eingefahrenen Gewohnheiten aufzugeben. Doch wer dauerhaft sein Gewicht reduzieren möchte, muss etwas an seinem Ernährungsverhalten ändern. Genau hier greifen die Online-Coaches. Über Smartphone oder den PC motiviert eine tägliche E-Mail mit Rezeptvorschlägen und aufbauende Nachrichten regen zum Durchhalten an. Ein großer Vorteil ist die örtliche und zeitliche Flexibilität. Der spielerische Charakter der Programme erhält zudem den Spaß am Abnehmen.

Nicht für jeden das Richtige

Das Online-Coaching kann hilfreich sein, das Wissen über eine ausgewogene Ernährung zu erweitern. Dennoch kann es eine professionelle Ernährungsberatung nicht ersetzen. Ein gutes Abnehmprogramm sollte Ernährung, Bewegung und Verhalten gleichermaßen berücksichtigen. Die Online-Coaches sind hier in der Regel zu einseitig. Einige beschäftigen sich nur mit dem Kaloriengehalt, andere legen den Fokus hauptsächlich auf Sport. Für eine nachhaltige Verhaltensänderung sind sie weniger geeignet. Auch geht eine Handy-App oder ein Online-Anbieter nicht auf die individuellen Bedürfnisse des Klienten ein und kann bestehende Stoffwechselstörungen sowie andere klinische Parameter nicht mit einbeziehen.

Programme, die von den Nutzern selbst ergänzt werden, enthalten zudem potenzielle Fehlerquellen, wenn beispielsweise der Verzehr ungenau angegeben wird. Der Grundumsatz und die beim Sport verbrauchten Kalorien sind ebenfalls immer nur Schätzwerte. In der persönlichen Beratung können Körperfett- und Muskelmasse gemessen und der tägliche Kalorienverbrauch hingegen genauer berechnet werden. Auch Essstörungen fallen in einer persönlichen Beratung viel eher auf. Online-Programme verstärken eine solche Erkrankung dagegen eventuell noch. Besonders Jugendliche könnten sie dazu verleiten, sich gegenseitig beim Abnehmen überbieten zu wollen. Die ständige Beschäftigung mit Essen, Ernährung, Kalorien und Sport kann zudem den Einstieg in eine Essstörung erleichtern.

In einer Gruppe fällt den meisten das Abnehmen leichter. Die Online-Foren sollen zwar einen gewissen Austausch und Zusammenhalt zwischen Abnehmwilligen fördern. Gruppenprogramme, in denen sich die Teilnehmer persönlich begegnen und einander Halt geben, können sie aber nicht ersetzen. Bei vielen Apps fehlt darüber hinaus die Angabe, wer hinter den Ernährungstipps und Rezepten steckt. Selten stammen die Informationen von Ernährungswissenschaftlern und Medizinern.
Eine Smartphone-App zur Erfassung der täglich verzehrten Mahlzeiten kann für Abnehmwillige eine gute Unterstützung darstellen. Allerdings sollten Online-Coaches eher als Hilfsmittel einer professionellen Beratung angesehen werden.

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Foto: Firmbee/pixabay.com