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Fermentierte Milchprodukte: Helfer für den Darm

Joghurt, Kefir und andere Sauermilchprodukte halten Darm sowie Immunsystem gesund und leistungsfähig. Studien liefern zudem Hinweise, dass sie vor Darminfekten sowie Entzündungen schützen und sogar Dickdarmkrebs vorbeugen.

Nach Schätzungen vertragen etwa 15-20 Prozent der Menschen in Deutschland keinen Milchzucker (Laktose). Global sind es etwa 75 Prozent der erwachsenen Bevölkerung. In Joghurt, Kefir und Sauermilchprodukten spalten Milchsäurebakterien einen Teil der vorhandenen Laktose, einen Zweifachzucker, in seine Bestandteile auf. Dabei bilden sie unter anderem Milchsäure, die für die charakteristischen Merkmale von fermentierten Lebensmitteln verantwortlich ist. Der typisch säuerliche Geschmack entsteht, indem die Bakterien Proteine zu freien Aminosäuren abbauen. Dank ihrer Vorarbeit werden bis zu 30 Prozent des vorhandenen Milchzuckers in Joghurt oder Sauermilch gespalten.. Durch den teilweisen Abbau des Milchzuckers werden Joghurt, Buttermilch und andere Sauermilchprodukte auch von Menschen mit Laktoseintoleranz gut vertragen und können zur Deckung des Calciumbedarfs beitragen.

Probiotische Bakterien: vielseitig wirksam

Auch bei Verstopfung können fermentierte Milchprodukte hilfreich sein. Eine Meta-Analyse kommt zu dem Schluss, dass probiotische Keime Transitzeit, Stuhlfrequenz und Stuhlkonsistenz verbessern. Die Wirkung der einzelnen Stämme ist dabei allerdings sehr unterschiedlich. Beobachtungen ergaben außerdem erste Hinweise, dass ein hoher Verzehr fermentierter Milch den Cholesterinspiegel senken kann. Forscher machen verschiedene Mechanismen dafür verantwortlich. Einerseits bauen die Milchsäurebakterien Cholesterin aus der Nahrung ab und andererseits auch die zur körpereigenen Synthese verwendeten Gallensäuren. Beim Abbau von Kohlenhydraten bilden Milchsäurebakterien neben Milchsäure auch Essigsäure. Diese Säuren unterdrücken zahlreiche Erreger wie Salmonellen oder Clostridien und beeinflussen die Milieubedingungen im Dickdarm. Dadurch wird das Wachstum erwünschter Mikroorganismen gefördert.

Fermentierte Milchprodukte sind darüber hinaus in der Behandlung von Darmentzündungen und Durchfällen nachweislich therapeutisch wirksam. In Studien konnten der Verzehr von Joghurt und die Aufnahme bestimmter Laktobazillen die Dauer einer akuten Magen-Darm-Entzündung bei Kindern verkürzen. In mehreren Studien schützten probiotische Milchsäurebakterien zudem vor Durchfallerkrankungen in der Antibiotikatherapie. Ohne die Zufuhr der Bakterien kam es häufiger zu Durchfall als bei gleichzeitiger Verabreichung von Joghurt mit speziellen Bifidobakterien. Zudem ließen sich durch eine Antibiotikatherapie verursachte Veränderungen der Darmmikrobiota eindämmen. In der Erfahrungsheilkunde werden milchsauer vergorene Lebensmittel schon seit langer Zeit in der unterstützenden Therapie von Krebs eingesetzt. So hemmen bestimmte Milchsäurebakterien beispielsweise das Wachstum von Tumorzellen. Hierbei spielt vermutlich die Aktivierung der Immunantwort des Körpers durch Milchsäurebakterien eine bedeutende Rolle. Auch die pH-Absenkung im Darm sowie Stoffwechselprodukte der Milchsäurebakterien sind vermutlich an den günstigen Effekten beteiligt.

Milchsäurebakterien nur lebend wirksam

Die Wirksamkeit beruht auf der Anwendung ausgewählter Stämme und einer definierten Zahl lebender Bakterien. Denn ausschlaggebend für die probiotische Wirkung ist ihre Überlebensrate im Verdauungstrakt. Um die temporären protektive Effekte zu nutzen, empfiehlt es sich, fermentierte Milchprodukte regelmäßig zuzuführen. . Erhitzte Joghurts mit abgetöteten Milchsäurebakterien oder mit niedriger Bakterienzahl sind allerdings wirkungslos.

Aus UGBforum 2/20

Foto: Iryna Melnyk/stock.adobe.com