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Bioboom hat Folgen

Weltweit greifen immer mehr Verbraucher zu ökologisch produzierten Lebensmitteln, auch in Deutschland. Die große Nachfrage macht zunehmende Importe notwendig. Das wachsende Interesse an ökologischen Lebensmittel bleibt nicht ohne Folgen.

Derzeit werden viele Biolebensmittel nicht nur aus Nachbarstaaten, sondern auch aus Übersee importiert. Gleichzeitig wächst das Angebot von günstigen Bioprodukten beim Discounter. Besonders sogenanntes „Billig-Bio“ kommt häufiger aus Nicht-EU-Staaten.

Äpfel, Erdbeeren, Getreide oder Leinsamen werden beispielsweise aus umliegenden Staaten wie Frankreich, den Niederlanden, Polen und vor allem Spanien importiert. Auch aus Asien, Afrika und Südamerika landen Biolebensmittel im deutschen Handel. So kommen frische Heidelbeeren im Winter aus Chile oder Weintrauben aus Südafrika. Die weiten Transportwege belasten die Umwelt und schaden der Klimabilanz. Die steigenden Importzahlen bei Biolebensmitteln sind auch mit Verlusten für deutsche Produzenten verbunden. Mit den günstigeren Anbau und Arbeitsbedingungen im Ausland – beispielsweise bei der Erdbeerernte – können sie häufig nicht mithalten. So werden beispielsweise mehr Bioerdbeeren in Polen statt in Deutschland angebaut.

In der Vergangenheit war Bioware aus China, der Türkei oder Indien öfter mit Pestiziden belastet. Schlechte Arbeitsbedingungen, ausbeuterische Arbeitsverträge und Umweltverschmutzung werden auch manchen Bioimporteuren vorgeworfen. Häufig sind mangelnde Kontrollen die Ursache. Hinzu kommt, dass Mitarbeiter und Landwirte vor Ort oft schlecht ausgebildet sind und besonders in Ländern Afrikas und Südamerikas viel Korruption herrscht.

Saisonale Lebensmittel wie Erdbeeren, Spargel oder Tomaten sind längst das ganze Jahr über verfügbar, auch in Bioqualität. Die Grundidee einer ökologischen Ernährungsweise setzt dagegen auf ein möglichst regionales Angebot ganz nach Jahreszeit. Früchte aus lokaler Produktion sind Einfuhren aus Übersee vorzuziehen – das gilt auch für Lagerware wie zum Beispiel Kartoffeln. Natürlich geht es auch im Biohandel nicht ohne Importe, schon aus klimatischen Gründen. Oftmals werden dabei zudem in den Ländern des globalen Südens fair arbeitende Kooperativen unterstützt, die nur so ihren Lebensunterhalt verdienen können. Ziel sollte aber sein, sich wieder mehr an dem zu orientieren, was Saison und Region vorgeben. Denn auch Importe von Biolebensmitteln können auf Kosten von Natur und Menschen gehen. Die ökologische Landwirtschaft sollte daher von der Bundesregierung stärker gefördert werden, um hierzulande weitere Bauern zur Umstellung zu motivieren und mehr Bioflächen zu schaffen. Wer möglichst nachhaltig einkaufen möchte, wählt am besten regionale Produkte und fragt auch bei Bioware nach der Herkunft.

Katharina Lückel

Foto:MNStudio/stock.adobe.com