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Männergesundheit: Alles Gesundheitsmuffel?

Deutsche Männer leben mit durchschnittlich fast 79 Jahren so lange wie noch nie. Sie ernähren sich immer bewusster, rauchen weniger und sind im Sport in der Überzahl. Doch laut vorherrschender Meinung sind sie vorsorgescheu, risikofreudig und genusssüchtig. Stimmt das?

Anders als früher möchte der moderne Mann Karriere, Kinder und Partnerschaft unter einen Hut bringen. Häufig fallen der Einstieg in die Karriere, Hauskauf und Familiengründung auf dieselbe Zeit im Alter von etwa 35 Jahren, die Rushhour des Lebens. Dann werden innere Balance und Prävention praktisch unmöglich.

In diesem Zuge neigen Männer auch stärker zu riskanten Hobbys, Alkohol- und Tabakkonsum. So trinken 18 Prozent der deutschen Männer mehr Alkohol als ihr Körper verträgt – gegenüber 14 Prozent der Frauen. Auch beim Rauchen liegen sie trotz ständigen Rückgangs mit 26 Prozent immer noch vor den Frauen mit 20 Prozent. Allerdings gleichen sich diese Werte unter den Geschlechtern seit 20 Jahren immer mehr an. Suchtmittelkonsum zeigt sich weniger als Zeichen gesundheitlicher Ignoranz, sondern als ein Versuch des Stressabbaus.

Dies gilt auch für die Kalorienaufnahme: 67 Prozent der Männer sind übergewichtig (Frau en: 53 Prozent), knapp ein Viertel ist adipös (fettsüchtig), Tendenz steigend. Der Appell liegt auf der Hand: Weniger Süßigkeiten, Backwaren, Gebratenes und Wurst, dafür mehr Gemüse und Obst. Auch Alkohol und die meisten Kaffeegetränke sind Dickmacher.

Seltener beim Arzt, weniger Medikamente

Häufig werden Männer für mangelnde Krebsvorsorge kritisiert. Doch tatsächlich haben sie bis zum Alter von 45 Jahren keinen Anspruch darauf. Kein Wunder, dass die Teilnehmerzahlen geringer ausfallen. Und wer sich Jahrzehnte allein durchgeschlagen hat, wird nicht unvermittelt zum eifrigen Arztgänger. Zudem sucht man bis heute – trotz der medizinischen Nischendisziplin der Männerheilkunde (Andrologie) – einen Männerarzt vergebens.Doch seltenere Arztkontakte haben auch Vorteile: Männer nehmen deutlich weniger nebenwirkungsreiche Medikamente wie Schmerzmittel, Hormone oder Antidepressiva ein.

Männergesundheit ist einerseits eine Frage der Generation: Wer vor 1960 geboren wurde, hat andere Gesundheitsmuster erlernt als nachfolgende Jahrgänge. Zum anderen sind viele Therapie- und Gesundheitsangebote für Männer schwerer zugänglich, zum Beispiel weil sie während der Arbeitszeit stattfinden oder sich nur oder vorwiegend an Frauen richten. Auch die Aufteilung der Berufstätigkeit wirkt sich – mit jeder Überstunde, Nachtschicht und Dienstreise – deutlich auf die Gesundheit aus.


Zehentner C., UGBforum 6/20, S. 280

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