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Digital Detox: Warum Abschalten das Leben verändert

Super-Foods, Entgiftungs-Tees, Heilfasten: Das Detox-Angebot ist riesig. Doch wer innerlich wirklich rein werden will, muss kein Geld für teure Mittel ausgeben – für mehr Ruhe und Gesundheit braucht es vor allem eine neue Balance zwischen Medien und Leben.

Detox ist Trend – und das Versprechen um die Entgiftung des Körpers ist groß: Durch die gezielte Aufnahme von speziellen Lebensmitteln oder durch Körperanwendungen wie Massagen sollen wir uns wieder besser, gesünder und energetischer fühlen. Die Idee, den Körper zu entlasten, ist prinzipiell nicht verkehrt. Doch helfen Antioxidanzien, Entschlackungsyoga und Kuraufenthalte nur bedingt, wenn wir eines vergessen: Eine große Stressquelle ist unser ungesunder Umgang mit digitalen Medien.
In Deutschland sind mehr als eine halbe Millionen Menschen onlinesüchtig. In den USA bezeichnet sich sogar die Hälfte der Bürger als internetabhängig. Es gibt auf der Welt mehr Handys als Zahnbürsten und täglich werden doppelt so viele Mobiltelefone verkauft wie Babys geboren.

Handystress schadet der Gesundheit

Wie sehr wir am Smartphone hängen, wird uns erst bewusst, wenn wir unser eigenes Verhalten genau beobachten. Wer panisch nach einer Steckdose Ausschau hält, wenn der Akku knapp wird, wer Netzlöcher genauso schwer erträgt wie Matheunterricht oder wer Panik vor seinem übervollen E-Mail-Postfach entwickelt, der ist zwar in guter Gesellschaft. Gesundheitlich betrachtet ist das nicht unbedingt der beste Zustand. Handystress macht nachweislich krank. Digitale Dauerbelastung kann unter anderem zu Unruhe und Schlafstörungen führen. Wer sich nicht davor schützt, mutet seinem Körper sogar noch mehr zu: Das Herz-Kreislauf-System wird belastet, weil die Stresshormone Adrenalin, Noradrenalin und Cortisol ausgeschüttet werden. Die Atemfrequenz steigt an, genauso wie der Blutdruck, da sich die Blutgefäße verengen. Muskeln verspannen sich, Magen und Darm reduzieren ihre Aktivität, die Verdauung wird gehemmt. Doch gegen das digitale Gift lässt sich etwas tun: Digital Detox.

Alles eine Frage der Haltung

Die Idee dahinter ist genauso simpel wie grandios: Wer öfter und gezielt seine digitalen Medien abschaltet, gewinnt dauerhaft an Lebensqualität. Dabei geht es nicht nur darum, einfach den Off-Schalter zu drücken. Vielmehr ist es Ziel, ganz bewusst sein eigenes Verhalten bei der Mediennutzung zu beobachten und digitale Stressquellen zu minimieren. Es geht darum, sich mental gegen den digitalen Stress zu wappnen und sich nicht unter Druck setzen zu lassen, wenn Nachrichten unbeantwortet sind oder die Mailbox überquillt. Hier ist Disziplin erforderlich. Denn wir sind inzwischen derart darauf konditioniert, sofort aufzuschrecken, wenn das Handy klingelt, dass wir kaum mehr gelassen mit all den Signaltönen umgehen können. Für eine entspannte Life-Media-Balance ist aber genau das unerlässlich.

Wer eine neue Distanz zum herkömmlichen Kommunikationsstress gewonnen hat, besinnt sich darauf, dass man antworten kann, wann man will. Man muss nicht ständig erreichbar und schon gar nicht verfügbar sein. Mit diesem Bewusstsein geht man wesentlich glücklicher durchs Leben. Jede:r entscheidet selbst, wann und wie man kommunizieren möchte. Die zurückgewonnene Autonomie befreit spürbar. Auch kurze Antworten sind okay und nehmen Druck aus der Kommunikationsgeschwindigkeit. Nicht gleich zu antworten, ist nicht gleichzusetzen mit Unhöflichkeit. Um während der eigenen Tätigkeiten oder der Arbeit nicht unterbrochen zu werden, können auch feste Kommunikationszeiten hilfreich sein. Zum Beispiel sich ein- oder zweimal am Tag bewusst Zeit nehmen, um Nachrichten und E-Mails durchzusehen. Zu wissen, dass jemand nicht sofort, aber dafür verlässlich innerhalb von 24 Stunden antwortet, gibt dem Gegenüber zudem Planungssicherheit.

Zunächst ist Reduzieren das Motto

Nicht jeder Newsletter ist sinnvoll, nicht jede Push-Benachrichtigung und Eilmeldung notwendig und nicht jeder Klingelton ein Muss. Wer ordentlich ausmistet und die Einstellungen entsprechend anpasst, unnütze Apps löscht und seine Kontakte aussortiert, hat schon viel getan. Zudem sind aufgeräumte Displays weniger stressig als übervolle Bildschirme. Wichtig ist es, sich bewusst Zeit für Handy und Laptop zu nehmen und bewusst Zeit ohne elektronische Hilfsmittel zu nehmen. Losgelegt werden kann jederzeit – schon kleine Dinge helfen:

  • Stellen Sie sich einen analogen Wecker, um ohne Handy in den Tag zu starten.
  • Beginnen Sie den Tag nicht mit dem Griff zum Smartphone, sondern nehmen Sie sich Zeit für sich, Ihre:n Partner:in oder Ihre Familie.
  • Schalten Sie Ihr Handy erst nach dem Frühstück oder der morgendlichen Dusche ein.
  • Schalten Sie Ihr Handy während der Mahlzeiten und bereits eine Stunde vor dem Schlafengehen aus.
  • Wählen Sie sich täglich Ihre persönliche Offline-Zeit und halten Sie diese konsequent ein. Schalten Sie Ihr Handy zum Beispiel für eine Stunde ab, wenn Sie aus dem Büro gehen und kommen Sie in Ruhe im Feierabend an.
  • Lassen Sie Ihr Handy zuhause, wenn Sie spazieren gehen oder sich mit Freund:innen treffen.
  • Tragen Sie eine Armbanduhr, damit Sie nicht auf Ihr Handy schauen, um die Uhrzeit zu checken.
  • Eine digitale Auszeit lohnt sich

    Wer besonders effektiv digital entgiften will, bleibt für mindestens 24 Stunden digital abstinent. Forscher:innen haben den Nutzen auch wissenschaftlich untersucht und nachgewiesen, dass sich eine Auszeit von Smartphone & Co. tatsächlich lohnt. Zum einen verbessert sich die Körperhaltung, da man nicht mehr nur nach unten ins Display schaut, sondern wieder mit offenen Augen und erhobenem Haupt durch die Welt geht. Zum anderen werden die Menschen empathischer. Denn wer nicht nebenbei chattet, hört anderen aufmerksamer zu. Digitale Enthaltsamkeit verbessert zudem die Kreativität, weil, anstatt zu googeln, selbst nachgedacht wird. Wer abschaltet und im Hier und Jetzt ankommen will, sollte also vor allem eines tun: Digitale Medien ausschalten.

    gekürzt nach Dr. Daniela Otto, UGBforum 1/19

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