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Die Kunst des Entrümpelns

Der Dachboden quillt über, im Keller geht die Tür kaum auf und die Wohnzimmerregale biegen sich schon unter der Last von Büchern, Fotos und Dekoration. Warum fällt es uns so schwer, Dinge loszulassen, die uns eigentlich belasten? Wie kann Entrümpeln in allen Lebensbereichen gelingen und zu Leichtigkeit verhelfen?

Ein Zuviel an allem kann auch belasten

„Ich liebe meine Bücher. Aber trotzdem ist mir alles zu viel. Ich staple die Bücher schon zweireihig hintereinander und übereinander. Allein der Anblick der Regale belastet mich, und ich kann mich gar nicht mehr vorbehaltlos an den Büchern freuen.“ Viele Ansammlungen entstehen aus der Diskrepanz heraus, dass Menschen den Konsum und das Kaufen neuer Sachen lieben, andererseits aber große Hemmungen haben, das Alte einfach wegzuwerfen oder zu verschenken.

Wenn das Anhäufen und das Chaos in der Wohnung überhandnehmen, belastet das die persönliche Lebensenergie. Menschen fühlen sich überfordert und wissen nicht, wo sie überhaupt anfangen sollen, um Ordnung zu schaffen. Ansammlungen können alle Lebensbereiche betreffen: Ein Zuviel an Beziehungen kann dazu führen, dass Menschen sich regelmäßig unter Druck setzen, die Erwartungen anderer oder ihre eigenen Erwartungen anderen gegenüber zu erfüllen. Werden manche Beziehungen nur noch aus Pflichtgefühl gepflegt, mündet die eigene Überforderung in ein schlechtes Gewissen. Ein Zuviel an Aktivitäten kann krankmachenden Stress verursachen. Menschen mit übervollem Terminkalender haben keinen Raum für die Unwägbarkeiten des Lebens.

Scheinwerfer auf das eigene Selbst richten

Entrümpeln ist zuallererst ein Innehalten. Es ist eine Besinnung für Fragen wie: Wer bin ich heute? Wer oder was tut mir gut? Was macht mich glücklich? Welche meiner Aktivitäten geben mir Kraft und Lebensenergie? In diesem Sinne ist das Entrümpeln ein Einlassen auf sich selbst. Ein Moment, in dem alle Ablenkungen des Alltags ausgeschaltet werden. Es ist eine Auseinandersetzung mit den eigenen Lebensumständen, persönlichen Prägungen und Gefühlen. Diese Art des Entrümpelns ist keine einmalige Hauruckaktion, sondern eher eine Lebenskunst, die es zu entwickeln gilt. Es ist eine achtsame Haltung gegenüber den eigenen Bedürfnissen, wenn die Bereitschaft, den persönlichen Lebensstil entsprechend zu gestalten, vorhanden ist.

Menschen, die beginnen, die Kunst des Loslassens zu üben, lernen ihre eigenen Grenzen besser kennen. Sie lernen, auch mal „nein“ zu sagen, bevor der eigene Akku leer ist. Sie finden zu einer Gelassenheit im Umgang mit den Anforderungen des Lebens und lernen, auch die Erwartungen an sich selbst realistisch anzusetzen. Sie unterscheiden bewusster: Was ist wichtig, was ist weniger wichtig? Und was war vielleicht früher wichtig, hat heute aber seine Bedeutung verloren? Sie erkennen, dass sie die Erfahrungen ihres Lebens nicht in äußeren Gegenständen bewahren müssen, sondern dass sie sie in ihrem Innersten schon lange gespeichert und verarbeitet haben. Sie finden Vertrauen in den Fluss des Lebens und Vertrauen in ihre eigene Kraft, die Herausforderungen des Lebens bewältigen zu können.

Entrümpeln als Lebenskunst pflegen

Wer das Loslassen und Entrümpeln als Lebenskunst pflegen möchte, begibt sich in einen Veränderungsprozess, in dessen Verlauf belastende Gewohnheiten verlernt und neue, stimmigere Verhaltensweisen erlernt werden.

Folgende Tipps helfen dabei:

Im Alltag innehalten

Machen Sie kurze Pausen in Ihrem Alltag: Ist das, was Sie gerade tun, das, was Sie wirklich tun möchten? Ist die Aktivität stimmig für Sie? Möchten Sie etwas daran ändern oder etwas anderes tun? Treffen Sie die vielen Entscheidungen des Alltags bewusst. Diese Momente des Innehaltens können anfangs in den Terminkalender eingetragen werden, sodass sie im Alltag nicht vergessen werden.

Den Überfluss loslassen

Erkunden Sie die positive Fülle Ihres Lebens – die Fülle Ihrer Beziehungen, Ihrer Aktivitäten und Ihres Besitzes – und Ihre persönliche Grenze zum Überfluss. Was genau ist Ihr persönliches „Zuviel“? Entrümpeln Sie nur Ihren belastenden Überfluss und genießen Sie die Fülle, die Ihr Leben bereichert.

Abschied nehmen

Loslassen ist immer auch mit Abschied verbunden. Nehmen Sie sich die Zeit, die Beziehungen, Aktivitäten oder auch Gegenstände, die Sie loslassen wollen, noch einmal zu würdigen und den Verlust zu betrauern.

Der Leichtigkeit Raum geben

Lassen Sie der Leichtigkeit Zeit, sich in Ihrem inneren und äußeren Raum langsam auszuweiten. Genießen Sie den Hauch von Frische, den das Entrümpeln mit sich bringt.

Quelle: Gabi Rimmele, gekürzt aus UGBforum 1/16

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