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Regrowing Gemüsereste nachwachsen lassen

Wer viel frisches Gemüse isst, hat auch jede Menge Gemüsereste übrig. Dass der Salatstrunk aber nicht in den Müll wandern muss, sondern durchaus wiederverwertet werden kann, zeigt der Trend des Regrowings.

Das Prinzip ist ganz einfach. Anstatt zur Aufzucht von Gemüse Samen zu verwenden, setzt man beim Regrowing auf eine Art der vegetativen Vermehrung. Dazu werden Reste des ursprünglichen Gemüses aufgehoben und für einige Zeit in Wasser gesetzt. Schon nach wenigen Tagen lassen sich erste Erfolge sehen – die Pflanze treibt wieder aus. Ist dies der Fall, kann sie in einen Topf mit Erde umgesetzt werden und wächst von diesem Zeitpunkt an weiter. Jetzt braucht es nur noch ein bisschen Geduld, bis geerntet werden kann.

Grundausstattung für Einsteiger

Ein großer Vorteil des Regrowings liegt definitiv in der Einfachheit der Methode. Eine spezielle Ausstattung ist nicht notwendig, theoretisch hat jede:r alles Notwendige für den Einstieg zu Hause. Um spontan mit dem Nachwachsen anzufangen, braucht man lediglich die besagten Gemüsereste und eine Schüssel Wasser. Später kommen noch ein Topf und etwas Pflanzsubstrat hinzu. Hierbei lohnt es sich immer, in hochwertige Erde zu investieren. Besonders zu Beginn bietet spezielles Anzuchtsubstrat einige Vorteile: Zum einen ist es relativ nährstoffarm und regt somit die Wurzeln an, sich kräftig auszubreiten. Zum anderen sorgt es für eine gute Wasserdurchlässigkeit und verhindert so, dass Staunässe entsteht. Die Größe des Topfes hängt natürlich von der Größe der Pflanze ab. Der Strunk sollte gut darin Platz haben, zu groß darf der Topf aber auch nicht sein. Kleinere Pflänzchen wie zum Beispiel Lauchzwiebeln können sich zu Beginn ruhig ein größeres Gefäß teilen, später sollte dann jede Pflanze ihren eigenen Topf bekommen. Ein Abflussloch im Boden verhindert, dass sich Staunässe bildet.

Gemüse von der Fensterbank

Viel wichtiger als professionelles Material ist jedoch der Standort. Optimal eignet sich das Fensterbrett. Denn Licht ist unverzichtbar, damit neue Wurzeln entstehen können. Wärme liefert den neuen Pflänzchen die nötige Energie, um gut zu wachsen. Natürlich spielt Wasser eine wichtige Rolle, wenn es ums Wachsen im Leben geht. Deswegen sollten Sie es besonders im Anfangsstadium, wenn das Regrow-Gemüse noch in einem Glas mit Wasser Wurzeln schlägt, regelmäßig wechseln. Das ist auch wichtig, damit die Pflanzenreste nicht anfangen zu faulen. Nach dem Eintopfen ist regelmäßiges Gießen Pflicht. Auch hier gilt es, die Bedürfnisse der Pflanze zu beachten, denn viele Regrow-Pflänzchen sind sehr empfindlich gegenüber Staunässe. Einige Pflänzchen bevorzugen übrigens eine höhere Luftfeuchtigkeit, da es ihnen zu Beginn ohne ausreichende Wurzeln noch schwerfällt, Wasser aus der Erde aufzunehmen. Um für ein feuchtwarmes Klima zu sorgen, kann man sich mit einfachen Mitteln ein Mini-Gewächshaus bauen. Ein Gefrierbeutel, mit ein paar Löchern versehen und über die Pflanze gespannt, eignet sich hervorragend. Irgendwann wird es Zeit, die Pflanze umzutopfen, um sie einerseits mit frischem Substrat zu versorgen und andererseits das Wachstum weiter anzuregen. Ist der alte Topf gut durchwurzelt, ist es Zeit für einen Umzug. Ein fünf bis zehn Zentimeter größerer Topf eignet sich perfekt und dient der Pflanze mindestens für ein Jahr als neues Zuhause. Ein paar Wochen nach dem Umtopfen können Sie dann auch in Maßen düngen. Hierfür sind organische Langzeitdünger zu empfehlen.

Von Lauchzwiebel bis Ananas

Die Möglichkeiten des Regrowings sind sehr vielseitig. Von Chinakohl über Kartoffeln, Rote Bete und diversen Kräutern bis zu Avocado und Ananas ist alles möglich. Die Frage ist immer, wie viel Zeit und Geduld man aufbringen möchte. Gerade für den Anfang eignen sich Gemüsesorten, die recht schnell nachwachsen und wenig Pflege benötigen. Besonders gut für Anfänger:innen sind zum Beispiel Frühlingszwiebeln, Meerrettich, Romana-Salat, Stangensellerie oder Zwiebeln geeignet. Etwas schwieriger sind Ingwer, Ananas und Mango. Aber auch diese Kandidaten sind mit etwas mehr Pflege und guten Standortbedingungen durchaus machbar. Von Avocado, Mango oder Ananas sind zwar keine Früchte zu erwarten, sie verleihen der Wohnung aber ein exotisches Flair. Hinter dem Trend des Regrowings steht ein einfaches, aber erfolgversprechendes Prinzip, das auch ohne Garten oder Balkon möglich ist. Natürlich können Sie mit dieser Methode nicht Ihren kompletten Gemüsebedarf decken. Vielmehr geht es darum, sich über den Prozess des Wachstums bewusst zu werden und Freude am Anbau zu haben. Das ist auch ohne Expertenwissen möglich.

Frühlingszwiebeln für Einsteiger:innen

Die Frühlings- oder Lauchzwiebel als mildere Alternative zur Küchenzwiebel ist das perfekte Start-Gemüse für das Regrowing. Der Anbau ist einfach und gelingt eigentlich immer. Zunächst wird das unterste Stück der Frühlingszwiebel benötigt: Dazu schneiden Sie dieses einfach fünf Zentimeter oberhalb der Wurzeln ab. Achten Sie dabei darauf, dass alle Würzelchen intakt und unverletzt sind. Nun wird der Pflanzenrest in ein Glasgefäß mit frischem Wasser gesetzt, in dem er die nächsten drei bis fünf Tage bleibt. Als Standort eignet sich jetzt ein helles Fensterbrett. Das Wasser sollte am besten jeden Tag einmal gewechselt werden. Lassen sich erste Anzeichen für ein neues Austreiben erkennen, können Sie die neue Frühlingszwiebel in Erde pflanzen. Mit genügend Licht und Wasser wird sie bald richtig austreiben. Wenn Sie zur Ernte nicht die ganze Zwiebel nehmen, sondern mit einem Messer so viel abschneiden, wie Sie benötigen, kann die Frühlingszwiebel weiterwachsen.

Melissa Raupach & Isabella Gmehling, gekürzt aus UGBforum 2/19

Buchtipp:
Regrow your veggies.
Gemüsereste endlos nachwachsen lassen.
Melissa Raupach, Felix Lill
Ulmer, 126 S., 14,95 Euro

© Bild: sereznyi/123RF.com