Achtsam gesund und glücklich

Unser Alltag ist überfüllt mit Tun. Wer aber den Moment bewusst wahrnimmt, kann intensiver genießen. Nicht nur beim Essen. Mit Übungen für mehr Achtsamkeit lassen sich Stress abbauen, Krankheitssymptome lindern und mehr Lebensqualität gewinnen.

Haben Sie auch das Gefühl, in einer Zuvielisation zu leben? Haben Sie manchmal das Gefühl, zu oft auf Impulse von außen zu reagieren und dabei den Sinn für Ihren eigenen Lebensweg zu verlieren? Vielleicht geht es Ihnen auch so wie immer mehr Menschen, für die die Geschwindigkeit und Zerstreutheit des Alltags mit dem eigenen Lebenstakt und Lebenssinn kaum in Einklang zu bringen sind. Die dadurch entstehende dauerhafte Anspannung kostet Kraft und belastet. Diese Erkenntnis ist sicher ein wichtiger Grund für das kollektiv wachsende Interesse an Achtsamkeit, Meditation und Kontemplation.

Im Moment verweilen

Wann haben Sie zum letzten Mal das Gefühl gehabt, im Moment zu verweilen und von Herzen mit allen Sinnen seine Schönheit und das Wunder des Lebens zu empfinden. Achtsamkeitsfördernde Methoden und Programme regen das an, was uns im Alltag fehlt: sinnenvolle Präsenz im gegenwärtigen Augenblick mit einer offenen, wertschätzenden und gelassenen Haltung, die dem SEIN Aufmerksamkeit, Zeit und Zuwendung gibt. Yoga, Qigong und Taiji chuan, Meditation, aber auch einfach nur das achtsame Spüren des Körpers, das bewusst sinnenbezogene Gehen, Essen oder einander Anschauen zählen zu den Methoden der Achtsamkeit. Dabei wird das achtsame Verweilen im Moment meist als sehr entlastend, beruhigend und auch als beglückend erlebt.

Beim Essen wird die Schnelllebigkeit des Alltags besonders deutlich. Viel zu oft essen wir unter Zeitdruck oder im Vorbeigehen. Dabei bieten gerade unsere Mahlzeiten ideale Momente, in denen sich Achtsamkeit wie von selbst einstellen kann. Besonders intensiv nehmen Fastende die erste Mahlzeit nach den Tagen des Verzichts wahr.

Achtsamkeit üben

Achtsamkeit beim Essen lässt sich aber auch im Alltag wunderbar üben, wenn wir uns einen Moment Zeit nehmen. Nehmen Sie sich zum Beispiel eine gekochte Kartoffel, einen Apfel oder eine Rosine. Vielleicht mögen Sie eine Kerze anzünden. Schauen Sie die Frucht an, was genau sehen Sie? Vergegenwärtigen Sie sich, wo die Frucht herkommt, wie Erde, Wasser, Sonne, Pflanzen, Insekten und Menschen daran beteiligt waren, dass sie jetzt vor Ihnen liegt. Sie ist ein Teil des Wunders des Lebens. Möglicherweise empfinden Sie Staunen und Dankbarkeit.

Nehmen Sie sich Zeit für das Tasten. Was nehmen Sie wahr? Spüren Sie das Gewicht der Frucht in Ihrer Hand, die Wärme, die Oberfläche, das Raue oder Glatte. Was riechen Sie? Können Sie den Geruch beschreiben? Wie fühlt sich die Frucht an den Lippen an? Wie im Mund? Zwischen den Zähnen? Beim Kauen und Schlucken? Wie viel von der Frucht möchten Sie essen? Wann ist es genug? Woran spüren Sie das? Wie möchten Sie die Mahlzeit beenden? Und was empfinden Sie jetzt? Was haben Sie anders gemacht als beim gewohnten Essen im Alltag? Und was haben Sie dadurch erlebt?

Wenn wir gesunde Nahrungsmittel zubereiten, servieren und essen, dann schauen, fühlen, riechen, schmecken wir ihre vielfältigen Qualitäten, die uns ernähren. Gesunde Nahrung können wir zutiefst sinnlich erleben, wenn wir mit unserer Aufmerksamkeit wach und präsent anwesend sind. Die Möglichkeiten der Verbindung von Achtsamkeitsübungen im Rahmen der Ernährungsberatung und Lehrküche, in der Fastenbegleitung, Suchttherapie oder Appetitschulung sind vielfältig.

Quelle: Dr. phil. Nils Altner, gekürzt aus UGBforum 5/16

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