Immunbooster als Zuckerfalle

Der Frühling kommt erst langsam in Fahrt und noch sorgen manche Erkältungsviren für Schnupfen oder Halsschmerzen. Fertige Immunbooster, die die Abwehrkräfte angeblich in Schwung bringen, sollen Abhilfe bringen. Ein Marktcheck der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen zeigt, dass mit diesen Shots eine ordentliche Portion Zucker aufgenommen wird.

Heißgetränke, Direktsticks, Kindersäfte und Shots mit Granatapfel, Holunder, Sanddorn, Salbei, Echinacea oder Zitrone finden sich in immer mehr Regalen des Einzelhandels, auch in Bioläden. Die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen hat 19 solcher Produkte unter die Lupe genommen und bis zu 14 Gramm Zucker pro Portion festgestellt. Angaben zum Zuckergehalt müssen nicht gemacht werden – und das ist ganz legal. Ein Kinderprodukt eines Herstellers enthält sogar 30 Prozent mehr Zucker als die entsprechenden Produkte für die Älteren.

Während auf anderen Lebensmitteln Angaben zu Kalorien, Fett, Eiweiß, Salz oder Zucker gemacht werden müssen, sind auf der Verpackung eines Nahrungsergänzungsmittels lediglich die wertgebenden Inhaltsstoffe wie Vitamine oder Mineralstoffe pro Tagesmenge aufgeführt. Wer keine Angaben zu Kalorien oder Zucker auf der Packung findet, sollte in der Zutatenliste auf Begriffe wie Zucker, Glukosesirup, Fruchtzucker, Fruktosesirup, Honig, Dextrose, Malzextrakt oder Maltodextrin achten, aber auch auf Zusätze wie Fruchtpulver und -konzentrate. Manche Produkte enthalten auch Süßstoffe wie Sucralose, Steviolglykoside, Aspartam oder Saccharin.

Welche Werbeaussagen sind erlaubt?

Auch wenn Granatapfel, Zitrone oder Sanddorn den Produktnamen bestimmen, erlaubte gesundheitsbezogene Angaben mit Blick auf eine Stärkung des Immunsystems gibt es für diese Pflanzen nicht. Auch Pflanzen, die aus der traditionellen Heilkunde gegen Schnupfen und Husten bekannt sind, dürfen in Nahrungsergänzungsmitteln laut Gesetz keine Arzneiwirkung (pharmakologische Wirkung) entfalten. Dazu gehören Pflanzen wie Salbei, Echinacea, Thymian, Wegerich oder Ginkgo. Leider gibt es bisher (fast) keine Regelungen, welche Pflanzenstoffe in Nahrungsergänzungsmitteln verwendet werden dürfen. Die Verbraucherzentralen fordern daher schon seit Jahren eine Positivliste. Insbesondere sollten Arzneipflanzen nicht in Nahrungsergänzungsmitteln eingesetzt werden. Zwar dürfen sie keine pharmakologische Wirkung haben, sondern sollen nur die Ernährung ergänzen, aber sie wecken bei Verbraucher:innen falsche Hoffnungen.

Ein Booster für das Immunsystem ist von solchen Produkten nicht zu erwarten. Daher sind auch verstärkende Aussagen wie "stärkt das Immunsystem" nicht erlaubt, ebenso wenig Aussagen wie "zur Vorbeugung und Bekämpfung von Erkältungen, Viren und grippalen Effekten" oder "hilft bei der Entwicklung von Abwehrzellen".

Die Dosis macht es

Ein "Viel hilft viel" nützt bei Mikronährstoffen nicht. Zu hoch dosierte Mineralstoffe können vielmehr die feinen Regelkreisläufe im Körper durcheinander bringen. Überflüssiges scheidet der Körper im besten Falle einfach direkt wieder aus, im schlimmsten Fall sammelt er es an. Dann kann es zu Vergiftungen (wie bei Vitamin D) oder bei empfindlichen Personen zur Bildung von Nierensteinen (wie bei Vitamin C oder Calcium) kommen. Gesetzliche Höchstmengen für Vitamine und Mineralstoffe in Nahrungsergänzungsmitteln fehlen seit Jahren.

Heißgetränke mit Zitrone, Orange, Holunder oder Schwarzer Johannisbeere lassen sich auch gut selbst herstellen. Einfach heißes Wasser mit (frisch gepresstem) Saft nach Geschmack auffüllen (den Saft nicht mit erhitzen). Alternativ zum Wasser kann auch ein Hagebutten-Tee oder ein sonstiger Früchtetee (lose oder Beutel) verwendet werden. So bekommen Sie die Vitamine im natürlichen Verbund mit sekundären Pflanzenstoffen. Wer es gerne etwas schärfer mag, kocht sich einen Tee aus einem Stück Ingwerwurzel. Süßen können Sie nach Bedarf und haben die Zuckermenge genau im Blick. Hinzu kommt, dass Sie damit auf viele für den gewünschten Zweck nicht nötige Zusatzstoffe wie Trennmittel, Verdickungsmittel, Stabilisatoren, Konservierungsstoffe und Aromen verzichten.

Verbraucherzentrale NRW (2024) https://www.klartext-nahrungsergaenzung.de/wissen/lebensmittel/nahrungsergaenzungsmittel/die-abwehrkraefte-staerken-mit-einer-extraportion-zucker-78991

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