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Mehr Bio auf den Teller

Die Agrarwende kann nur funktionieren, wenn auch wir Verbraucher mitmachen. In der Praxis bedeutet das, jeder muss mehr ökologisch erzeugte Lebensmittel kaufen. Lesen Sie, wie es Ihnen gelingt, mehr Bio-Lebensmittel in Ihren Speiseplan einzubauen und warum sich dieser Schritt auch in punkto Lebensqualität lohnt.

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Wer sich dafür interessiert, was auf seinem Teller landet, kommt an Bio-Lebensmitteln nicht vorbei. Für viele Feinschmecker und prominente Köche ist es eine Selbstverständlichkeit, ökologisch erzeugte, saisonale Lebensmittel aus der Region zu verarbeiten. Schmackhaftes Gemüse ist daher ein optimaler Einstieg in die persönliche Konsumwende hin zu mehr Bio. Obst und Gemüse aus regionalem Anbau haben den Vorteil, dass sie voll ausreifen können und frisch geerntet auf den Markt kommen. Durch kurze Transportwege erleiden sie keine Nährstoffverluste, sind frischer und damit geschmackvoller. Aus diesen Gründen enthalten pflanzliche Bio-Produkte vermutlich auch mehr sekundäre Pflanzeninhaltsstoffe, beispielsweise die Flavonoide, die Herz-Kreislauferkrankungen und Krebs vorbeugen. Auch die Duft- und Geschmacksstoffe zählen dazu. Daher riecht frisches Bio-Gemüse oder -Obst in der Regel intensiver als Treibhaus- oder Importware. Und den besseren Geschmack merken Sie ganz deutlich, wenn Sie beispielsweise eine frische Bio-Möhre mit einer herkömmlichen vergleichen.

Bio Labels: Weniger Schadstoffe - mehr Qualität

Bio-Lebensmittel schneiden auch in punkto Schadstoffe deutlich besser ab als konventionell erzeugte: Ökologisch angebaute Salate enthalten nachweislich weniger Nitrat als ihre konventionellen Verwandten und die Produkte sind in der Regel nicht mit Pflanzenschutzmitteln belastet. Kühe, die freien Auslauf haben bzw. mit Gras oder Heu gefüttert wurden, liefern mit ihrer Milch mehr von der krebshemmenden konjugierten Linolsäure. Das Ziel der ökologisch arbeitenden Landwirte ist ein möglichst geschlossener Betriebskreislauf zwischen Boden, Pflanze, Tier und Mensch. Statt chemisch-synthetischen Dünge- und Pflanzenbehandlungsmitteln sorgen organische Dünger wie Mist und eine abwechslungsreiche Fruchtfolge für eine höhere Bodenfruchtbar keit. Futtermittel aus Entwicklungsländern sind tabu, weil deren Erzeugung das dortige Angebot an Grundnahrungsmitteln verringert. Die Tiere auf Biohöfen erhalten keine Medikamente zur Vorbeugung vor Krankheiten oder Hormone fürs Wachstum. Auf diese Weise gelangen weniger Rückstände in die Umwelt und die Nahrungskette.

Ökologisch einkaufen - aber wo?

Die meisten Verbraucher befürworten zwar Bio-Lebensmittel, bemängeln aber, dass die Produkte nicht überall zu haben sind und der Einkauf zu zeitaufwändig sei. Doch mittlerweile gibt es für ökologisch erzeugte Lebensmittel deutlich mehr Einkaufsmöglichkeiten als noch vor wenigen Jahren. Durch den BSE-Skandal gepuscht stieg die Nachfrage nach Bio-Produkten deutlich an. Auf diesen Zug sind mittlerweile viele Supermarktketten aufgesprungen. Nicht nur bei Tegut, sondern auch bei Kaisers, Edeka, Minimal oder Plus wächst allmählich das Bio-Angebot. Auch Fachgeschäfte wie Naturkost- oder Reformwarenläden profitieren vom Bioboom und erweitern derzeit Angebot und Verkaufsfläche. In großen Städten findet man auch Bio-Supermärkte oder -Bäckereien.

Bio Labels: So finden Sie Qualität

Die Adressen von Bauern, Gemüseabonnements und Metzgereien mit Öko-Sortiment erfahren Sie in der Broschüre "Einkaufen direkt beim Bio-Bauern" der Verbraucher Initiative, die Sie über www.verbraucher.org anfordern können. Auch unter der Internetadresse www.naturkost.de sind Adressen von Bio-Läden bzw. Naturkostläden aufgeführt. Fündig werden Sie zudem unter www.allesbio.de sowie unter www.allesoeko.net, informativen Seiten der Verbraucher-Zentralen.


Ein wahrer Genuss für alle Sinne ist es, auf einem Wochenmarkt einzukaufen. Frische Ware der jeweiligen Saison in reichhaltiger Auswahl lädt zum Zugreifen ein. Stände mit Bio-Produkten sind dort fast immer zu finden. Wer sich Zeit und Schlepperei ersparen will, für den ist eine Abo-Kiste ideal. Fast in jeder Region gibt es Bio-Bauern, die wöchentlich eine Kiste mit saisonalem Gemüse und Obst direkt nach Hause liefern. Oft wird der Service noch durch ein zusätzliches Sortiment an Brot, Milch und Milchprodukten sowie Fleisch und Wurst ergänzt. Frischer, regionaler und meist auch günstiger als im Laden kommt so Bio-Ware auf den Tisch. Eine gute Möglichkeit, günstig hochwertige Lebensmittel zu beziehen, sind auch so genannte Food Coops. Das sind selbst organisierte Einkaufsgemeinschaften von Verbrauchern, die direkt beim Bauern oder Naturkostgroßhandel einkaufen. Sie können größere Mengen als Einzelpersonen abnehmen und dadurch günstigere Preise aushandeln.

Bio-Produkte sind bezahlbar

Ein häufiges Argument gegen mehr Ökologisches im Einkaufskorb ist der höhere Preis. Fakt ist, dass Bio-Produkte teurer sind als konventionelle. Das muss auch so sein, weil in einem ökologisch wirtschaftenden Betrieb ein höherer Personal- und Sachaufwand nötig ist und die artgerechte Haltung sowie der biologische Anbau pflanzlicher Lebensmittel weniger Erträge bringt. Nicht zu vergessen ist zudem, dass die konventionelle Landwirtschaft ganz erheblich subventioniert wird und die Produkte nur dadurch überhaupt so günstig sein können. Dennoch zeigen verschiedene Studien, dass Käufer von Bio-Produkten insgesamt nicht mehr Geld für Lebensmittel ausgeben als andere, weil sie bewusster einkaufen. Denn wer saisongerechtes und regional erzeugtes Obst und Gemüse bevorzugt, spart Geld für teure importierte Ware wie Sommergemüse im Winter ein.

Eine interessante Berechnung stellte das Öko-Institut Freiburg an: Würden zehn Grundnahrungsmittel (Milch, Butter, Eier, Kartoffeln, Weizenmehl, Reis, Teigwaren, Brot, Kaffee und Bananen) in Bio-Qualität eingekauft, müsste ein Haushalt mit vier Personen monatlich lediglich 40 Euro mehr ausgeben. Wenn man sich vollwertig ernährt und weniger Fleisch, Wurst, Süßigkeiten sowie Alkohol konsumiert und auf teure Fertigprodukte und Fast Food weitgehend verzichtet, bleiben die durchschnittlichen Ausgaben sogar gleich. Das heißt, die Kombination aus gesundheits- und umweltbewusster Lebensmittelauswahl ermöglicht bezahlbares Essen in bester Bio-Qualität.

Bio Labels: Dem Etikett Vertrauen schenken

Viele Verbraucher schrecken noch vor Bio zurück, weil sie nicht wissen, ob sie den Produkten trauen können. Hier ist jedoch mehr Vertrauen in die Kennzeichnung angebracht. Wo Bio drauf steht, muss auch Bio drin sein. Dass es sich wirklich um ökologisch erzeugte Ware handelt, zeigen die Siegel der ökologischen Anbauverbände. Dazu gehören: Bioland, Demeter, Naturland, Bundesverband Ökologischer Weinbau (BÖW), Biokreis, Ökosiegel, Gäa und Biopark. Ein Teil der Bio-Landwirte gehört keinem Anbauverband an. Deren Erzeugnisse sind nach EG-Öko-Verordnung durch die Begriffe "ökologisch" bzw. "biologisch" und eine Kontrollnummer gekennzeichnet. Seit dem 16. Februar 2002 gibt es zudem das nationale Bio-Siegel, für das derzeit eine große Werbekampagne läuft. Die EG-Bio-Verordnung ist allerdings nicht so streng wie die Bestimmungen der oben genannten ökologischen Anbauverbände. So sind zum Beispiel Importfuttermittel aus der Dritten Welt erlaubt. Das Bio-Siegel dürfen zudem Produkte tragen, die nur zu 70 Prozent aus ökologischen Zutaten bestehen, bei den Anbauverbänden müssen es 95 Prozent sein. Dennoch bringt das neue Siegel mehr Bio-Qualität in die Einkaufsstätten und verschafft der Bio-Branche insgesamt Aufwind.

Verantwortung für die Umwelt übernehmen

Wenn Sie sich für mehr Bio-Lebensmittel entscheiden, gewinnen Sie nicht nur mehr Genuss, Geschmack und Gesundheit, sondern tun auch etwas für die Umwelt. Die Unterstützung der heimischen, ökologischen Landwirtschaft führt dazu, dass weniger Energie für Treibhäuser oder lange Transportwege verbraucht wird. Dadurch vermindern sich auch die Abgasbelastung und Lärmbelästigung. Denn im Schnitt wird jedes Lebens- und Genussmittel in Deutschland 284 Kilometer weit transportiert, Importe entsprechend weiter. Zu mehr Umweltbewusstsein gehört auch die Vermeidung von Verpackungsmüll. Hier können Sie durch einen bewussten Einkauf viel bewirken. Durch mehrfach benutzte Tüten, Taschen und Säcke für Obst und Gemüse sowie Pfandgläser lassen sich Müllberge und die Verschwendung von Rohstoffen verringern.
Wo fängt man nun an mit dem Kauf von Bio-Lebensmitteln? Lassen Sie sich von knackigem Obst und Gemüse verlocken, genießen Sie den herzhaften Geschmack von Vollkornbrot oder starten Sie mit frischer Bio-Milch, -Joghurt oder -Käse. Die Entscheidung für ein gesundheits- und umweltbewusstes Leben zahlt sich in jedem Fall durch ein Plus an Lebensqualität aus.

Tipps für Bio-Sparfüchse

  • Kaufen Sie Lagerfähiges wie Getreide, Müsli, Öl, Saft, Honig und je nach Lagermöglichkeiten auch Kartoffeln, Möhren oder Äpfel in größeren Mengen ein. Das spart nicht nur Geld, sondern auch Zeit.
  • Erkundigen Sie sich, ob es in Ihrer Nähe einen Bio-Bauern mit Ab-Hof-Verkauf gibt. Vieles bekommen Sie direkt beim Erzeuger preisgünstiger.
  • Kochen Sie entsprechend der Jahreszeit. Gemüse und Obst, die gerade Saison haben, schmecken nicht nur besser, sondern sind auch am günstigsten.
  • Wenn Sie ein Tiefkühlgerät besitzen, können Sie saisonales Gemüse und Obst günstig in größeren Mengen einkaufen. Was Sie nicht gleich verbrauchen, lässt sich entsprechend verpackt einfrieren.
  • Achten Sie auf Sonderangebote und preisreduzierte Ware. Oft gibt es Produkte besonders preiswert, bei denen gerade eben das Haltbarkeitsdatum abläuft, die aber noch einwandfrei sind.
  • Viel Geld geht für teure Snacks wie Döner, Hamburger oder belegte Brötchen als Zwischenmahlzeiten drauf. Wer sich sein Essen mit an die Arbeit nimmt und den Kindern statt Geld einen Pausensnack vorbereitet, kann einiges sparen.

Quelle: Noll, A.: UGB-Forum 3/02, S. 128-130

© Foto: UGB

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